Just-Taste. Was geschah. Was kommt..

INSOLVENZ! UND NUN? Letzte Woche kam die Meldung, dass der neue Weinhändler „Just-Taste“ Insolvenz anmelden musste. Grund dafür sei auch der Freitod eines der Geschäftsführer. Das wirft freilich eine Menge Fragen auf. Die Weinparty hat mit Just Taste Gründer und verbleibenden Geschäftsführer Oliver Sartena gesprochen.

In der Küche einer Wohnung in einem Wiener Innenstadtbezirk. Dort, wo der Prater beginnt und die Erholung lockt. Oliver Sartena kann von Erholung nur träumen, denn seit drei Wochen versucht er sein angeschlagenes Unternehmen zu retten. Er verdünnt einen Houlundersirup, stellt zwei Gläser auf den runden Holztisch und das Interview beginnt.

Oliver Sartena, nur wenige Monate nach Gründung hat ihr vielversprechendes Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen müssen. Zudem hat ihr Geschäftsführer-Partner den Freitod gesucht. Das nährt freilich Spekulationen vieler Art. War das Vielversprechende nun doch nicht so vielversprechend, wie es schien? Und was hat der Insolvenzantrag mit dem Freitod von Dietmar Pirolt, ihres Partners in der Geschäftsführung, zu tun.

Das mit den wenigen Monate ist nicht wahr, die Filiale am Stubenring in Wien hat zwar erst seit Mai geöffnet, der Onlinehandel ist seit Herbst 2016 in Betrieb, doch Just-Taste wurde schon im Dezember 2015 gegründet, ist also keine Eintagsfliege, sondern hatte eine lange und ausführliche Vorbereitungsphase. Für die Idee der Tasting-Packs und die Technik jede Flasche zum Verkosten öffnen zu können, musste viel Entwicklungsarbeit werden. Wir wollten ja vieles neu machen und haben auch viel Neues gemacht. Das nur vorweg.

Zum Vielversprechenden: Das Unternehmen funktioniert, macht Umsätze, sogar sehr gute für die Sommermonate, die Weinbar ist gut besucht, ist sogar Treffpunkt für eine Klientel geworden, mit der wir gar nicht gerechnet haben. Einzig der Onlinehandel – und hier der Bereich der Tasting-Packs ausgenommen – hat sich im Frühjahr schwächer entwickelt, als ich erwartet habe. Mein Eindruck war, dass Dietmar Pirolt, der ja mein Freund war, zuletzt nicht mehr ganz bei der Sache war. 

Also, so höre ich heraus, gab es mehrere Gründe für den Freitod?

Darüber möchte ich nicht sprechen. 

Was mir und vielen Winzern und Konsumenten unklar ist, war die Aufgabenaufteilung, die Rollen, die Sie und Dietmar Pirolt im Unternehmen gespielt haben. Wie war die Verteilung der Besitzanteile an der GmbH? Und zur Person Pirolt: Haben sie nicht früher schon irgendwelche Alarmglocken schrillen hören? Sei es auch nur im Stillen.

Dietmar Pirolt und ich haben Just Taste 2015 gegründet, später sind Investoren dazugekommen. Im Februar ein Großinvestor. Dietmar und ich waren beide Geschäftsführer, er von Beginn an, ich seit Februar diesen Jahres. Die Anteilsverteilung an der Gesellschaft spielt aber keine Rolle und ist ja außerdem auch im Firmenbuch einsehbar.

Keine Rolle?

Ja, keine Rolle, denn die Gesellschafterstellung der Personen hat mit der Rolle eines Geschäftsführers nichts zu tun. Wir hatten beide unsere klar abgrenzten Bereiche, weil diese Bereiche unseren Talenten und Fähigkeiten entsprachen.

Haben Sie die Bücher und Konten nicht überprüfen können?

Doch. Jedoch nur jene, die mir zugänglich waren.

Also gab es auch noch Konten, von denen sie nichts wussten?

Sie müssen verstehen, dass ich der Aufarbeitung nicht vorgreifen will und ich diese Frage nicht beantworten kann. Ich möchte aber deutlich machen, dass wir natürlich sehr genau überprüfen werden, ob in unserer Finanzgebahrung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. 

Wie haben Sie die Tage seit dem Freitod und der tragischen Interruption erlebt?

Das Geschehen ist drei Wochen her. In der ersten Woche waren viele Dinge sein Ableben betreffend unklar. Diese Tage waren wie eine Lähmung. In der zweiten Woche habe ich mich mit mehreren Buchhaltern an die Aufarbeitung unseres Finanzbereichs gemacht, die sich dann doch aufwändiger herausgestellt hat, als ich angenommen hatte. Zudem musste ich auch mit unseren Gesellschaftern schwierige Gespräche führen. Und jetzt musste ich rasch und auf Zahlenbasis die Entscheidungen treffen, ob die Sanierung des Unternehmens möglich ist.

Machte das Unternehmen Gewinn?

Nein, wir waren ja noch in der Phase des Unternehmens, wo keine positiven Ergebnisse vorgesehen waren und auch nicht erwartet wurden.

Und wann hätte Just-Taste die Gewinnzone erreichen müssen?

Das erste positive Ergenis des Gesamtunternehmens war für das dritte operative Geschäftsjahr geplant, also für 2018. Doch mit der Insolvenz ändert sich nun Grundlegendes, denn das Unternehmen muss im Zuge einer Sanierung einen Fortführungsplan einhalten, der monatlich ein positives Ergebnis zur Bedingung macht. Und sei es auch nur eine Schwarze Null. Widrigenfalls wird geschlossen.

Ich stelle aber noch einmal die Frage nach persönlichen Verantwortung. Und bitte Sie in sich tiefer zu schürfen.

Das soll jetzt bitte nicht überheblich klingen, doch die derzeitigen Umstände und mein Einsatz zur Rettung der Firma ermöglichen mir zur Zeit nur, die Fragen an mich selbst so lange zu verschieben, bis der Zeitpunkt gekommen ist, sie zulassen zu dürfen. Sie können sicher sein, dass ich mich sehr genau befragen werde und mich nicht in Ausreden flüchten werde. Aber das mache ich mit mir alleine aus.

Wie verhalten sich die anderen Gesellschafter?

Sie werden verstehen, dass diese Interna in der Runde des Gesellschafter bleiben müssen und nicht nach Außen zu dringen haben. Wir sind ja keine Aktiengesellschaft.

Die berechtigte Frage der Konsumenten ist nun jene, ob ihre Bestellungen noch ausgeführt werden?

Selbstverständlich, weil Just Taste ja fortgeführt wird. Eine Insolvenz ist die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Wird diese durch die Geschäftsführung erkannt bleiben zwei Möglichkeiten. Ein Konkurs, der meist mit einer Schließung einhergeht oder eine Sanierung, an derem positven Ende die Fortführung eines dann wirtschaftlich gesundeten Unternehmens steht. Und genau so eine Sanierung haben wir beantragt. Das ist übrigens das, was in Österreich früher „Ausgleich“ hieß. Wird der Antrag angenommen und stimmen die Gläubiger einer Sanierung zu, dann kann es weiter gehen. 

Also die Kunden erhalten alle ihre bestellten Flaschen?

Selbstverständlich. Jene Produkte, die im Onlinehadel aufscheinen, sind ja physisch verfügbar, können also bestellt werden und werden natürlich auch ausgeliefert. Die Frage, ob wir noch liefern können oder Gutscheine annehmen, wären nur in einem Konkursverfahren zu stellen. Eine Sanierung ist etwas völlig anderes. Für den Kunden ändert sich jetzt in Wahrheit gar nichts. 

Und die Winzer bekommen von diesen Einnahmen nur die Quote, die sie vorgeschlagen haben?

Nein. Ein Insolvenzfahren sieht vor, und das sehr gut so, dass Gläubiger nicht weiter geschädigt werden dürfen. Im Falle einer Sanierung ist es dabei möglich, und das entscheidet der Winzer, dass bereits gelieferte, aber von uns noch nicht bezahlte Ware unter vollem Eigentumsvorbehalt des Winzers verkauft werden darf. In diesem Fall bekommt der Winzer sein Geld zur Gänze, weil er ja andererseits das Recht hätte, seine Ware zurückzurufen.

Waren die Gespräche mit den Winzern schwer?

Nein, aber sie waren anstrengend. Das ist bei hunderten Telefonaten aber auch klar. Schwer waren sie nur dort, wo Insolvenz mit Konkurs gleichgesetzt wird. Wir mussten viel «Aufklärungsarbeit» leisten. Das größte Problem in der jetzigen Phase ist die allgemeine Verunsicherung «am Markt». Die gilt es rasch zu beseitigen. 

Genießen Sie noch das Vertrauen der Winzer?

Ich denke, dass die Winzer wissen, dass wir ihre Weine erstklassig präsentieren und vermarkten. Die letzten Wochen haben das ja gut bewiesen; das Unternehmen ist ja nicht durch eine mangelnde Weinvertriebskompetenz in die jetzige Situation gebracht worden. Unser Fall unterscheidet sich tatsächlich dramatisch von anderen Insolvenzfällen in der Weinbranche. Die nunmehrige Phase ist für die Minimierung des Schadens die wichtigste Phase. Und ich denke, die Sanierung ist ein gangbarer Weg, der das Unternehmen aus dieser Krise führt und die ungewöhnlichen Zugänge von Just-Taste und die Art, wie wir Wein leben wollen, am Leben erhält.

Danke für das Gespräch.

Anmerkung: Die Wineparty hatte mit Just-Taste eine Vermarktungs-Vereinbarung, eine Art Interessen-Bündnis. Mit der Insolvenz von Just-Taste endete diese mündliche Vereinbarung.

 

 

 

 

 

 


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