Yes, die can!

ORÄNTSCH: Naturweine dürfen auch nach Rebsorten schmecken!! Das war bislang eher die Ausnahme. Umso mehr kommen Gegenbeispiele einem Staatsstreich gleich. Wie diese beiden Weine aus Wien.

Irgendwann, in der verblassenden Erinnerung des Autors mag es 2012 oder 2013 gewesen sein, war da Stefan Hajszan omnipräsent, ein erfolgreicher Gastronom, der in einem aufgelassenen Wiener Spitalsbau eine megapopuläre Brauerei unterhielt. Stefan Hajszan kam wie ein Orkan über den Wiener Weinbau, er gründete ein Weingut mit gut 20 Hektar Anbaufläche und verpflichtete sein neues Unternehmen der biologischen Bewirtschaftung. Eine gute Sache also.

Mag sein, dass er zu laut trompetete; mag sein, dass sein nicht gerade bescheidenes Auftreten gleich die Skeptiker losposaunen ließ: auf jeden Fall war es vielen Beobachtern schon in vorher gehaltenen Nachreden klar, dass Hajszans Weingut scheitern muss. Und es scheiterte auch – Hajszans langjähriger Kumpel Fritz Wieninger übernahm.

Nach der Übernahme wurde es um Hajszans Weingut (das offiziell Hajszan-Neumann heißt) schnell ruhiger. Kein Wunder, denn viele der guten Flächen stärken nun den Ertrag der Marke Wieninger. Und der neue Eigentümer ließ sich Zeit das Profil des Weinguts zu schärfen. Es wurde so auch Parkplatz der Naturwein-Experimente.

Und die sind so verblüffend anders, wie selten neue Weine der letzten Zeit. Nicht nur, dass beide „Naturals“ – ein Gemischter Satz und ein Traminer aus 2015 – „reinrassige“ Orangeweine sind, so transportieren beide Säfte auch die Sorten in Nase und Geschmack. Das ist bei Naturweinen nun wirklich nicht natürlich, denn die meisten dieser Experimente riechen und schmecken nach wie vor wie italienische Gemüsesuppen mit leicht oxidativen Hautegout.

Naturweine, die natürlich nach der Rebsorte schmecken

Die letzten Naturweine, die in die Kategorie „sortentypisch“ Platz finden und die ich getrunken habe, sind die Weine von Christoph Zieglers Collective Z (zu jenem und jenen ein andermal mehr). All diese Weine mit Sortentypizität sollen nicht unterschlagen, dass es auch sortenverschleiernde Naturweine gibt, die sehr gut schmecken – etwa der Neuburger von Gernot Heinrich. Diese Weine kommen aber meistens, wenn nicht immer, von Winzern mit technisch-handwerklicher Erfahrung. Es ist also Teil der Groteske um Naturweine, dass der Ruf der dieser gehypten Spezies von ideologiebefreiten Winzern gerettet wird, die über eine saubere, technisch-hochwertige Ausrüstung verfügen.

Die beiden „Naturals“ von Hajszan-Neumann zeichnet das leicht Oxidative ihrer Machart aus, ein knapp an der Grenze gebremster Verfall, der geschmacklich im sicheren, wenngleich einsilbigen Bereich bleibt. Bei Gemischten Satz dominieren Veltliner und Traminer, beim Traminer dominiert der Traminer. Beide Weine ankern in einer nahezu fulminanten Delikatesse, die an große französische Käse erinnert – nein, das ist kein Scherz und auch nicht abwertend gemeint.

Geschmackliche Zuspitzung

Fritz Wieninger hat eben kapiert, dass das As der Naturweine, die geschmackliche Zuspitzung bleibt. Und nicht die Eleganz, die Naturweine ohnehin nur in den seltensten Fällen vermitteln können. In der Nase (bei beiden Weinen) Walnuss, Kastanienschalen, Orangenzesten, etwas Mangold, Senfsaat und gelber Paprika. Beim Traminer noch getrocknete Rosenblätter und etwas Datteln. Im Mund (bei beiden Weinen) kräftig bis zum Abwinken und Hunger machend. Nach einem Schmorgericht. Oder Würste vom Grill. Zwei Bauernbuben also, die in der Stadt Anschluss suchen.

Den Traminer 2015 gibt es für € 33,02 (??) hier

Den Gemischten Satz 2015 für € 24,90 hier

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