Das kleine Ich-bin-Ich und seine Rolle bei Just-Taste

INTERN / EXTERN / ÜBERHAUPT: Ich schreibe für einen Weinhändler. Freilich ist der besonders und einzigartig. Sonst würde ich es ja nicht machen. Dennoch bedarf es klärender Worte.

Dieser Artikel geht eigentlich nicht. Denn er behandelt die Rolle eines Journalisten, der sich unabhängig gibt, jedoch Einkommen von einem Weinhändler bezieht. Das klingt gleich mal ordentlich bigott.

Bislang fand der Austausch von Werk und Geld zwischen mir und Just-Taste (so heißt der Weinhändler, der hier nun auch Werbekunde ist) nur in geringem Maße statt. Doch jetzt, drei Tage nachdem Just-Taste die erste Filiale in Wien eröffnet hat und sichtbar wird, was Just-Taste ist und welche Rolle ich bei Just-Taste spielen könnte; jetzt bedarf es ein paar erklärender und klärender Worte.

Ich schreibe von nun an jede Menge Blogbeiträge bei Just-Taste. Just-Taste hat sich schon sehr früh, quasi noch während der Geburt, für eine Art journalistische Begleitung entschieden, die anders sein sollte, als sie bislang üblich ist. Und dieses Anderssein geht weiter, als die journalistische Ausrichtung anderer Händlerseiten, deren Macher gut schreiben können. Von jenen gibt es in Deutschland erstaunlich viele. Das liegt auch daran, dass gerade in Deutschland auch intellektuell versierte Personen – oft aus Kreativberufen kommend – in den Weinhandel wechselten. Der österreichische Weinhandel hat – bis jetzt, bis zum Auftreten von Just-Taste – eine andere Geschichte.

Was kann das Anderssein sein, von dem da die Rede ist? Ganz einfach: Just-Taste wird auch Beiträge der Weinparty übernehmen, in welchen Weine empfohlen werden, die man nicht bei Just-Taste kaufen kann. Oder ich schreibe bei Just-Taste auch von Weinen, die nicht bei Just-Taste erhältlich sind. Gleichzeitig aber werden alle Beiträge, die ich für Just-Taste schreibe und von Just-Taste bezahlt bekomme, auch auf der Weinparty veröffentlicht. Wichtig dazu ist zu wissen, dass ich bei Just-Taste nach der Anzahl der Blogbeiträge bezahlt werde und keine Pauschale erhalte, die mich zu mehr drängt, als nur diese Beiträge zu schreiben. Derart gehe ich also für beide Medien in einer gleichen Manier ans Werk. Dennoch – und das ist klar – gibt es einen Unterschied. Deswegen werden die für Just-Taste verfassten Beiträge auf der Weinparty auch als solche gekennzeichnet. Denn trotz journalistischer Ausrichtung der Texte steht am Ende der Bezugslink eines Händlers, dem ich geschäftlich verbunden bin.

Und mehr als nur schreiben? Gute Frage. Natürlich ist es der Wunsch von Just-Taste, dass ich auch meine Ideen und Konzepte mit einbringe. Und freilich werde ich auf Winzer hinweisen, von welchen ich finde, dass auf sie hingewiesen werden sollte. Und dass Just-Taste diese im Sortiment haben muss, weil es „Must-be-Winzer“ sind. Und von jenen gibt es ja immer mehr, weil die Vielfalt des Weinbaus immer individueller Persönlichkeiten hervorbringt, die individuelle Weine mit Handschrift keltern. Weinenthusiasten und Weintrinker leben gerade in der beste aller Weinwelten. Das darf ich sagen, denn ich habe die Weinwelt dreißig Jahre beobachtet.

Mein Arbeit bei Just-Taste wird aber erst zur Gänze bemerkbar werden, wenn die Filiale in Berlin aufsperrt. Das soll noch dieses Jahr der Fall sein – sicher jedenfalls vor der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens. Wer sich die wunderschöne, helle, stimmige und weinselige Wiener Filiale ansieht, der ahnt, was da auf Berlin zukommt: ein anderer Weinhandel. Zudem birgt die Wiener Filiale ein Geheimnis, von dem auch sie irgendwann mal erfahren werden. Aber nicht von mir. Und nicht von andern Just-Taste-Mitarbeitern. Das muss sich von selber herumsprechen.

Was aber bleibt ist, dass meine Stories, die ich für Just-Taste schreibe, nicht anders klingen werden, als alle anderen Stories, die ich über Wein und Winzer schreibe. Eine Schere im Kopf ist nicht notwendig; sie ist vor allem auch nicht gewünscht. Und so wird dieser Just-Taste-Blog, auf dem nicht nur ich schreibe, auch ein Experiment der Vermischung aus Handel und Journalismus, wie er bisher nur bei Red-Bull stattfindet. Zugegeben: mit einigen Milliarden mehr.

Über das Neue bei Just-Taste, über die Tasting-Packs, die es so noch nicht gegeben hat, informiere ich sie in weiteren Beiträgen. Und dann werde ich auch ein paar Weinpakte schnüren. Mit Weinen, die Sie vielleicht noch nicht kennen. Morgen aber gehe ich in die Wiener Filiale. Wein verkaufen. Um auch mal zu sehen, wie sich das anfühlt vorne stehen. Und sich nicht hinter einem Laptop zu verstecken. Kommen Sie vorbei, ich bin da. Aber erst am Nachmittag.

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