Das Buch Franken

RIESLING & FRANKEN Als ich nach Deutschland kam, da frug ich die Franken: Wo ist euer Wein? Die Franken sagten: Den trinken wir selber. Trotzdem habe ich Flaschen mitgebracht. Ganz großartige sogar..

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Der deutsche Wein. Das ist vor allem Riesling. So sehen das auch die meisten Deutschen. Dabei gibt es auch viele andere Sorten, die in Deutschland ihre Heimat haben. Der Spätburgunder (Pinot-Noir) beispielsweise. Der ist in Deutschland eine Art Fortsetzung des burgundischen Weinbaus (und nicht – so wie in Österreich – eine Übernahme dessen). Dann der Silvaner. Der ist ein Migrant aus der Steiermark. Oder der Lemberger (Blaufränkisch). Der wird die in Zukunft wohl wichtigste rote Sorte Deutschlands. Und dann noch die Scheurebe. Die bleibt eine zu Unrecht vergessene Süßweintraube (übrigens: Klaus-Peter Keller keltert aus ihr den besten trockenen Wein seines grandiosen Sortiments). Über Gutedel, Dornfelder und Trollinger will ich hier nur reden, wenn es Winzer schaffen, aus diesen eher grauenhaften, autochthonen Sorten etwas Trinkbares herzustellen (so wie es Stefan Steinmetz beim Dornfelder tut).

Deutscher Wein kommt von der Mosel. Und aus dem Rheingau. Ein bisschen auch aus Baden. Das ist der Eindruck, wenn man im Ausland deutschen Wein kauft. Das sind die deutschen Weinregionen, die im Ausland bekannt sind. Von der Nahe, der Ahr oder gar Mittelrhein ist wenig zu bemerken. Und auch von Franken nur gering. Doch das ist absurd, denn Franken zählt zu den größeren Weinbaugebieten Deutschlands. Warum kommt da nicht mehr in den Export?

Die Antwort: Weil die Franken ihre Weine selber trinken. In keiner anderen deutschen Weinregion (außer Württemberg) gibt es so viele Wirtshäuser (echte Wirtshäuser versteht sich – solche mit Metzgereien), in keiner anderen deutschen Weinregion trinkt man so regional, wie in Franken. Das hat auch mit Bayern zu tun, dem Franken eingegliedert und untergeordnet ist. Alles Eigenständige hier ist Beweis der Existenz.

Franken istgleich (=) auch Riesling

Franken ist Silvanerland. Hier wird die aus der Steiermark vor 200 Jahren „vertrieben“ Sorte gehegt und gepflegt. Und weil der fränkische Weinbau lange Jahre sehr eng mit dem österreichischen Weinbau verknüpft war, hieß der Silvaner noch bis in die 1970er-Jahre im Ausschank „Österreicher“ („ein Viertel Österreicher bitte“). Auch die Wiener Anbauart „Gemischter Satz“ wurde von vielen Winzern hier übernommen. Kurz gesagt: der fränkische Weinbau ist dem österreichischen sehr ähnlich. Vor allem der Zugang zu Wein.

So wie in Österreich, wo der Veltliner die bestimmende Weißweinsorte ist, gibt es auch in Franken eine nicht gerade geringe Anbauflächen Riesling. Deutscher Riesling ist gemeinhin von seiner Mineralität geprägt – das ist sein Aß, seine Unique-Selling-Position.

In Franken gibt es weniger beeindruckende Schieferhänge, als man sie im Rheingau und an der Mosel vorfindet. Aber es gibt auch hier die deutsche Mineralität, das salzig Gehaltvolle, das die Rieslingrebe aufsaugt, wie die Biene den Blütenstaub. In Österreich hat man oft den Eindruck, der Riesling hätte sich irgendwie hierher verirrt; in Franken hingegen scheint er richtig zu sein.

Weltklasse Weltner

Einer dieser Rieslinge, der für dieses Loblied Pate steht, ist der Riesling Hoheleite GG (Großes Gewächs) aus 2012 vom Weingut Weltner. Paul Weltner ist zu danken, dass er manche seiner Weine erst zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt bringt. So auch diesen Bocksbeutel, der für mich zu den besten Rieslingen zählt, die ich je trinken durfte – und habe weißgott schon jede Menge Rieslinge getrunken. Warum ist Weltners Riesling so besonders?

Dafür gibt es einen primären Grund: er ist bombastisch harmonisch, ohne dabei auf Harmonie abgezielt zu haben. Soll heißen: die Mineralität, die bei vielen Rieslingen das Gerüst darstellt und den Geschmack zimmert (und das ist auch gut und richtig so), ist hier bei Weltners Hoheleite zwar wesentlicher Bestandteil des Mundgefühls, fügt sich aber auch einer nahezu fetten, gewagt unmodischen, aber sicher in der önologischen Moderne geerdeten Breite. Dieser Breite gelingt es zudem im Mund nicht zu dominieren und der Eleganz des Rieslings Raum zu geben. Anders gesagt: Weltner macht zwei Rieslinge aus einer, dieser Lage, die er in einem Wein zu bündeln vermag, ohne, dass dieser Wein seine Sortentypizität aufgeben muss – wie das heute ja leider bei vielen Weinen der Mode geschuldet der Fall ist. Dieser grandiose Riesling hat einiges mit strategischem Ausbau im Keller zu tun (auch etwas, das gerade nicht in Mode ist, aber immer modern bleibt), viel mehr aber noch mit Instinkt und Können.

In der Nase: Veilchen, Orangenzesten, etwas Puffmais, feuchte Walnussschalen, Limette, nasser Kiesel. Gering: der frisch ausgewaschen Wirtshausaschenbecher – Markenzeichen der Mineralität. Im Mund: cremig, hüftstark, salzig, samtig, „geil“, exotische Früchte (mehr Mango als Maracuja), etwas Orange, gering rosa Grapefruit, Kräuter.

Riesling GG Hoheleite von Paul Weltner aus 2012 gibt es für gerechte 39,90 bei dem mir verbundenen Händler Just-Taste. Dieser Artikel wurde von Just-Taste weder geordert noch bezahlt.

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