Der Edelsteinwein

VON MANFRED KLIMEK Matthias Krön ist Experte für Soja. Mathias Krön macht aber auch Großen Wein. Und einer seiner Weinberge ist ein echtes Juwel.

Matthias Krön bückt sich, formt seine linke Hand zu einer Schaufel und gräbt sie in das weiche und lockere Erdreich am Gipfelkamm seines Weinberges. Er reinigt die hervorgeholten Steine vom der trockenen Erde und zeigt auf ein paar glänzende, schwarze Steine. „Opale“, sagt Krön, „überall Opale.“ Und zwar so viele, dass man sie auch mit freiem Auge in der Humusauflage ausmachen kann. Kröns Weinberg ist ein Juwel. Durchzogen von Millionen kleinen Halbedelsteinen.

Ist das etwas Besonderes? Nicht nur das, es ist sogar etwas Einzigartiges. Kröns Weinberg liegt am Csaterberg, der ein Teil der Weinregion Eisenberg ist, jener burgenländischen Anbaugegend, die sich in den letzten Jahren aus dem Unbekannten in die Weltgerühmtheit hochgearbeitet hat. Gerühmt ist besser als berühmt, denn berühmt kann man auch für Dinge und Eigenschaften sein, die nicht gerade zum Vorteil gereichen.

Nicht nur, dass Kröns Hang etwas Einzigartiges darstellt, der ganze Csaterberg ist eine einzigartige, unglaublich schöne und idyllische Enklave im österreichischen Weinbau. Wobei man ergänzend und berichtigend sagen muss: im österreichischen Weinbau nach 1918. Denn davor lag der Csaterberg (wie auch ganz Eisenberg, Rust, Neckenmarkt und fast das ganze Burgenland) im Weinland Ungarn. Mit der Abspaltung der Burgenlandes verloren auch alle westungarischen Regionen ihre damalige Weltbedeutung.

Der Csaterberg ist mit seinen kleinen, über viele Kellergassen verteilten Kellerhäuschen, die heute oft als Wohn- oder Ferienhäuser genutzt werden, das Abbild des südosteuropäischen Weinbaus. Solche Weinhügel findet man von hier weg bis nach Serbien und Rumänien in Sonderzahl. Aber keiner ist so gut gepflegt wie der Csaterberg, der – komplett von einem Schutzwald umgeben – auch über ein besonderes Mikroklima verfügt.

Mathias Krön ist ein Quereinsteiger. Der gebürtige Salzburger und sportliche Mittvierziger ist eigentlich Experte für Sojaprodukte, spricht perfekt Chinesisch und ist in Sachen Soja mehrere Monate im Jahr in der ganzen Welt unterwegs – einer, der mehrheitlich in Hotelzimmern wohnt und seine Koffer selten auspackt. Krön – der gerne Wein trinkt, aber trotzdem keiner dieser als Angeber bekannten, weintrinkenden Quereinsteiger ist – hätte sein Weingut nicht gegründet, wenn er nicht die Möglichkeit gehabt hätte, ein schlicht seltsames Weingut zu kaufen, eine Genossenschaft einiger Eisenberger Winzer, die trotz guter Weine nicht richtig auf die Beine kam. Krön erkannte das Potential der vielen oft auch anspruchsvollen und schwer zu bewirtschaftenden Lagen und schlug bei den 16 Hektar schnell zu. Nur sind 16 Hektar nicht gerade die Größe, die ein Quereinsteiger leicht bewältigen kann, denn 16 Hektar sind eine Menge Land und eine Menge Flaschen.

Ein Piefke am Eisenberg

Krön holte sich deswegen Markus Bach an seine Seite, einen Önologen aus Würzburg, der im Burgenland aufschlug, dort nun dauerhaft lebt und sehr schnell mit den mentalen Eigenheiten der autochthonen Bevölkerung zurechtkam – Weinbau ist ja völkerverbindend. Dennoch bleiben Krön und Bach Außenseiter im Weinbau des Region, sie zählen nicht zur alten und nicht zur neuen Elite der Hiesigen und Krön lebt auch nicht vor Ort, ist also selten sichtbar. Das hat auch Vorteile.

Aus dem Rahmen, wie das ganze Projekt, ist auch Kröns Vermarktung. Er füllt seine Weine, deren Flaschen ein sehr schönes, verschnörkeltes, barockes Etikett ziert, vor allem in Ein-Liter-Gebinde. Die allseits bekannte „Null-Sieben-Fünfer“ kommt bei Krön und Bach nicht vor. Man zahlt also erstmal einen etwas höheren Flaschenpreis, hat aber später auch mehr Wein in der Flasche. Das ist ein mutiges Konzept. Und es funktioniert vor allem in den Exportmärkten, die Krön gut betreut. Der Wein vom Großen Wein soll immer ein Wein sein, der in aller Herren Länder reüssiert. Und nicht nur in der Region alleine. Auch das macht Kröns Projekt trotz seiner Größe vor Ort fast unsichtbar.

Der Große Wein „Csaterberg weiß 2015“, von dem hier die Rede ist (was auch eine Empfehlung sein soll, die großartigen Blaufränkischen des Weinguts zu kosten), ist eine Cuvée aus Welschriesling, Chardonnay und Sauvignon-Blanc, die vor allem das sonst so grasig-grüne des Sauvignons hintanhält und auch das Banale, das mache Welschrieslinge prägt, nicht erkennen lässt. Das liegt fast alleine an der für einen Weißwein extrem langen Maischestandzeit von 24 Stunden, wie auch an der Spontangärung, die beide viele primäre Merkmale der Sorte unterdrücken, ohne dabei die Sortentypizität zu beseitigen, wie das bei manchen Naturweinen der Fall ist. 2015 war noch dazu ein sehr trockenes Jahr mit sehr spät einsetzenden Regenfällen. Dieses Klima ließ die Säure – im Gegensatz zu deutschen Weinen – nicht in die Höhe schnellen. Die geringe Säure bedeutet aber auch, dass der Wein nicht ewig haltbar sein wird und von Mitte 2017 weg bis etwa 2020 sein Bestes gibt. Freilich kommt es auch auf die Art der Lagerung an und viele unbewegt im gut temperierten Keller lagernde Weine aus säurearmen Jahren haben die Prognosen ihrer Haltbarkeit spielend widerlegt.

Wie schmeckt Opal?

Und der Opal? Die Frage, die sich schon seit Beginn stellt: kann man den Opal „schmecken“? Nun, da ja gemeinhin gilt, dass es Mineralität im Wein als solche nicht gibt und man sie deswegen auch nicht schmecken kann, gilt auch für den Csaterberg weiß, was nun das gültige Wording ist: Selbstredend kann man Opal nicht schmecken!

Wer aber einen ausgeprägten Geschmacksinn hat, wer über die Wissenschaft mit eigener, sich selbst bewiesener Esoterik drübersteigt, der schmeckt im Csaterberg weiß aus 2015 nicht nur die Maischestandzeit, die Spontangärung und das Gewichtige der Sorten (das Fruchtige hält sich wie gesagt begleitend im Hintergrund), sondern auch den Einfluss der mineralischen Salze. Der Schiefer bildet einen metallisch schmeckenden Bodensatz; die Opale im Boden – so kann man es im Eventuellen erkennen – erinnern im Geruch an von Wasser überspielten Bachbettkiesel und im Mund an Walnussschalen. Wie schön, dass man all das nicht beweisen kann. So wie auch nicht die Existenz Gottes. Weinbau ist etwas Himmlisches; der Csaterberg weiß aus 2015 einer der besten Weine, den man jetzt im Diesseits trinken kann.

Csaterberg weiß 2015 für € 16,90 bei C&D

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