Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt!

VON MANFRED KLIMEK und zwar die Adresse eines ganz wunderbaren konventionellen Winzers aus dem Veneto, den ich ohne verordnete Entdeckungsreise nie entdeckt hätte..

Wenn man mehr Wein konsumiert als die Weltgesundheitsorganisation für zuträglich hält, dann kennt man bald dutzende Weine, die man öfter als üblich trinkt und deswegen auch öfter als üblich kauft und mehr als üblich lagert. Dieses Stadium des Weinenthusiasmus wird nach einiger Zeit meistens von zunehmender Langeweile begleitet und man wünscht die vielen Kartons und Kisten mitunter zur Hölle. Der größte Nachteil dieser Phase ist jedoch, dass man nichts Neues mehr kennenlernen will, dass die Neugierde erliegt.

Auch ich war mal an diesem Punkt angelangt. Und habe alles verkauft, was bei mir im Keller lag – von ein paar 1990er Bordeaux mal abgesehen. Was für ein großer Moment der Trauer und Befreiung! Und der Anfang, die Weinwelt neu zu entdecken. Damals begann ich über Wein zu schreiben.

Zum Entdecken muss man auf Entdeckungsreise gehen. Und das heißt, nicht lediglich im Netz nach neuen Weinen zu surfen oder die Verkostung eines Händlers zu besuchen. Eine Entdeckungsreise bedeutet vielmehr mit einem leeren Kofferraum wegzufahren und mit einem vollen Kofferraum zurückzukommen. Denn wahre Schätze bringt man selbst mit nach Hause.

Ich bin nach Neujahr auf Entdeckungsreise gefahren. Mit einem leider viel zu kleinen Leihwagen, den freilich nicht ich gefahren bin, denn ich kann ja gar nicht fahren. Gefahren sind also wir und wir fuhren in das Veneto, die Region, die Weintrinkern vor allem als Herkunftsland des Prosecco bekannt ist. Der oft zu unrecht als Billigplörre verschrieene Schaumwein war mir diesmal aber schnuppe, denn ich wollte vor allem mir unbekannte Rotweine aus der Gegend um Bassano, Castelfranco und Treviso trinken; Weine, die man in Deutschland und Österreich nur selten zu kaufen und zu saufen kriegt.

Asolo: der Vorort von Bsolo

So stieß ich in einer Vinothek in Asolo auf die Kreationen der Familie Corti-Zerboni, die das Weingut La Colombera betreibt, über das viele verschiedene Geschichten erzählt werden, die wohl alle einen gewissen Wahrheitsgehalt haben. Ganz sicher wahr jedoch ist, dass Gampaolo Zerboni keine Weine exportieren muss, weil ihm seine wenigen Flaschen alleine schon in der Region aus der Hand gerissen werden. Was wieder zur Folge hat, dass ich zum Bezug dieser Weine leider nur die Mailadresse des Weinguts angeben kann (info@lacolombera.eu) und darauf hinweisen will – bevor wieder die üblichen Beschwerden kommen – , dass die Colombera-Weine alles andere als günstig sind. Sie sind aber jeden Cent wert.

Etwa der wunderbare Einstiegs-Merlot aus 2013 (für etwa € 20,00), ein extrem saftiger, schon erstaunlich trinkreifer Saft mit sortentypischer Würze und einer zuerst versteckten Mineralität, die sich im Glas mehr und mehr entfaltet und nach einiger Zeit im Schluck sogar an sehr mineralische Pinots der Ahr erinnert. In der Nase milder Pfeffer, Cassis, Blaubeere, etwas Wiesenkräuter, etwas Salbei, etwas Espresso und etwas noch mehr Etwas. Verwundert hat mich auch, wie kräftig der Wein ist, obwohl nur ein Teil der vergorenen Liter im Holzfass ausgebaut wurde. Für mich der bislang beste reinsortige Merlot, den ich je getrunken habe.

Der gewichtigere Merlot Riserva Corti aus 2008 (für etwa € 30,00) will beweisen, dass man auch zwischen Bassano und Treviso so langlebige Weine keltern kann, wie sonst nur in Teilen der Toskana oder im Piemont. In der Nase Heidelbeersirup, Minze, etwas Leder, Pistazienschalen, gering Espresso, etwas heller, feuchter Zigarrentabak und auch dunkle, angebrochene Kochschokolade. Im Mund zehn Jahre zu jung. Weglegen und warten. Gleiches gilt für den Cabernet Sauvignon Riserva Assolo aus 2008, bei dem man den Holzeinsatz – wie bei den meisten Weinen dieser Sorte – noch eine Spur deutlicher schmeckt.

Marzemino: der italienische Märzenbecher

Für die Liebhaber autochthoner Weine füllt Gampaolo Zerboni ein paar Flaschen Marzemino ab (Jahrgang 2013 für etwa € 20,00), eine Sorte, die schon dieses Mitglied der Beatles namens Mozart auf seinem Solo-Konzeptalbum Don Giovanni verewigte. Heute gibt es in ganz Italien nur noch rund 1200 Hektar Marzemino, denn die Traube reift spät, ist anfällig für Schädlinge und bringt kaum Geld ins Haus. Schade, denn die intensive Kirschfrucht und die außergewöhnliche Saftigkeit machen den Marzemino zum unbeschwerten, anti-intellektuellen Trinkvergnügen. Was nicht bedeutet, dass dieser Wein was für Deppen ist.

Du wollen kaufen? Du fragen hier: info@lacolombera.eu

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