Der, der alles richtig macht !

VON MANFRED KLIMEK Hans-Peter Harrer zählt zu den besten Naturweinwinzern der Welt. Schade, dass das so wenige wissen. Gut, dass das so wenige wissen..

Haaaalo! Ja, Sie da, herschauen! Denn ich habe ihn gefunden! Den Naturwein-winzer, der mich mit mehr als einem Wein beeindrucken konnte. Spät. Aber dann doch. Spät auch, weil ich mich spät für Vin-Naturel-Winzer interessiert habe. Und spät erfahren durfte, dass es mehr noch gibt, die einiges draufhaben.

Der Winzer heißt Hans-Peter Harrer und kommt aus dem Burgenland. Er keltert am Neusiedler-See, einem seichten Steppengewässer der heißen pannonischen Puszta. Harrer ist Mitglied des Demeter-Verbandes und füllt so genannte Naturweine in seine Flaschen, derzeit hochmodische Kreationen, die früher fälschlicherweise Orangewines genannt wurden.

Naturweine sind groß in Mode. Mode und Wein? Das mag ich nicht. Erst recht nicht, wenn aus die Mode zur Religion mutiert und die Prediger sich wie Djihadisten benehmen. Das ist schade, denn so gerät diese erfreuliche Bewegung – die das Archaische ideologiefrei und kultiviert in Erinnerung ruft – leider immer mehr unter die Fuchtel einer fanatischen Schar Weinhändler, die den Naturwein zum einzig gültigen Getränk proklamiert – eine Weintaliban, die jede Kritik an Naturweinen in die Nähe von Blasphemie rückt. Da mache ich nicht mit, denn neben den vielen schlechten Winzern der Naturweinbewegung, gibt es dort in wachsender Zahl auch großartige, geradezu populistische Önologen, die verstanden haben, worauf es ankommt: Der Wein muss schmecken.

Beseelt? Selbstverständlich!

Und selten hat das einer so gut verstanden, wie Hans-Peter Harrer. Seine Weine sind andersartig, modern, beseelt und mitunter grandios. Harrer praktiziert sein Weinmachen als Selbstverständlichkeit, ohne große Worte dafür finden zu müssen, auch nicht finden zu wollen. Er ist parteiisch, aber keine Partei. Und deswegen braucht er kein Parteiprogramm.

Harrers Traminer (Jahrgang 2013) müsste ein Referenzwein der Naturweinbewegung werden. Die Reben des 90 Jahre alten Weingartens sollten eigentlich gerodet werden, Harrer jedoch verhinderte den Kahlschlag und keltert seit drei Jahren den sortentypischsten Naturwein, im Augenblick des ersten Schlucks als aromatischer Traminer erkennbar. Und das in einer Szene, die die Sortentypizität verachtet.

Harrer proklamiert mit diesem wohlschmeckenden, delikaten und trinkanimierenden Ranschmeißer, dass Naturwein extrem populistisch sein kann. Es ist ein Wein für alle, der keine Elite sucht und keine braucht. Dieses fast schon vordergründige Populistische mag einer der Gründe sein, warum die großen Naturweinhändler Harrer hinangestellt lassen.

Riesling aus dem Burgenland? Nur so!

Gleichfalls speziell ist Harrers Riesling 2014, ein Wein, den jeder Rieslingenthusiast getrunken haben muss, weil er nicht das Geringste mit den Rieslingen der Mosel, Saar, Nahe oder des Rheingaus zu tun hat. Harrers Riesling ist eine Rarität, die fruchtsüß schmeckt, aber mit knapp zwei Gramm Zucker trocken bleibt – diese Art Extraktsüße ist extrem selten. Dazu kommt eine fast unheimliche Süffigkeit, die ich bei keinem dieser Weine je genießen konnte. Aprikose statt Pfirsich. Mango statt Mineralität. Ein Glas. Noch ein Glas. Schon ist die Flasche leer.

Fruchtig, süffig und nahezu herausfordernd delikat ist auch Harrers Blaufränkisch 2013 aus der Lage Lange Ohn. Auch hier bringt Harrer zuerst das Populistische auf die Bühne, um es gleich danach mit einer fast fordernden Würzigkeit, Säure und Delikatesse in die Loge der Intellektualität zu geleiten. Harrer sagt: „Seht her, so kann man das auch machen. Und es kann, nein, es muss schmecken.“

Fehlt was? Ach ja: der Champagner zum Jahreswechsel! Weil wir gerade im Bahnhof der Biodynamik halten, empfehle ich ein paar Flaschen Larmandier-Bernier Latitude Blanc de Blancs extra brut einzukühlen, ein Bioschampus, dessen Önologe die gleiche önologische Anschauung verfolgt wie Hans Peter Harrer: Schmecken muss das Zeug! Und runtergehen wie nichts! Ich wünsche einen guten Rutsch und dem Kater ein weiches Fell.

Hans-Peter Harrer hat keinen deutschen Importeur. Deswegen hat sich der in Wien ansässige deutsche Weinhändler Dominik Portune bereiterklärt, Harrers Weine nach Deutschland zu versenden. Anfragen unter office@vinonudo.at.

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