Leider nicht Schlögl

VON MANFRED KLIMEK Eine gute Nachricht für alle Flaschenöffner: Sie sind porno pur..

Endlich ist es soweit! Was ungefähr eine Million Frauen immer schon anmachte: Erika Lust, alternative Pornografin deutscher Herkunft, in Barcelona lebend und arbeitend, hat die letzte, neueste und für die Party unumgehbare, weibliche Sexualphantasie in Bilder gekleidet – in einen Kurzfilm, der Teil eines neuen Episodenfilms ist. Der Titel des 13-Minüters: Wine is the best Lubricant. Mein Untertitel wäre: Slippery when wet.

Hauptdarsteller ist ein Waschbrettbauch-Sommelier, der im Film den Flaschenöffner (ca. 18cm) geradehalten und ruckartig bewegen kann. Nein, leider, der Film spielt nicht in der Cordobar. Und der Hauptdarsteller heißt nicht Willi Schlögl. Sorry, Mädels, vielleicht ein andermal.

Man darf sich jedoch von Wine is the best Lubricant nicht allzuviel erwarten. Also nichts, was man über Wein noch lernen könnte, außer, dass ein Keller nicht zu feucht werden darf. Die Regisseurin Erika Lust begann ihre Pornofilm-Regiekarriere vor etwa zehn Jahren mit einer Kurzfilm, in der eine Frau einen Pizzaboten vögelt. Nicht überragend originell, damals jedoch trotzdem neu, denn Lust (übrigens kein Künstlername) war die erste Pornoproduzentin, die die Phantasien moderner, vom pornografischen Patriarchat befreiter Frauen filmisch umzusetzen begann – das viel zitierte Kopfkino sozusagen. Und das zu einer Zeit, als niemand dachte, Frauen würden gerne Pornos schauen. Lust sah gerne Pornos, nahm sich selber als Beispiel und produzierte fortan für Frauen wie sie selber eine ist: sexuell frei und ihren Phantasien zugetan. Lusts Filme sind eben keine Rein-und-Raus-Ware primitiver Machart.

Niveau mit viel Nivea

Der Erfolg gibt Lust recht. In dem untergehenden Geschäft verfilmter Geschlechtsverkehre stechen nur mehr jene Produktionen hervor, die ein gewisses Niveau erfüllen und die Geschlechter nicht im Klischee ertrinken lassen. Erika Lust sagt, dass ihre Pornos inzwischen von gleich vielen Männern wie Frauen gesehen werden. Das war am Anfang ihres Schaffens anders.

Wer da schon aller vor die Kamera kam! Alle möglichen Männerberufe, die Erotik ausstrahlen. Sehr oft der Fotograf (jetzt nur nichts Falsches sagen da draußen, verstanden?!), dann jede Art Botenjunge (ich bringe nur schnell was vorbei und lasse auch was da) und dann noch diese Primitivberufe, wo man ölverschmiert, aber mit ordentlich Bizeps nach Hause kommt. Wenn diese Leute auch noch mit Handschellen umgehen können, haben sie gewonnen.

Aber Sommelier? Sommelier war bis jetzt noch keiner auf Lusts lustiger Darstellerliste. Wie kommt die berühmteste Frauenphantasiebeauftragte auf den Sommelier? Ganz einfach: Vor Drehbeginn befragt Lust immer eine größere Gruppe Frauen nach deren aktuell meist antörnenden Sexphantasien. Und diesmal sprach sich eine große Zahl der Befragten für Sex mit dem Sommelier aus.

Dass der Weinexperte nun als sexueller Traum Kariere macht, ist dem ständig steigenden Prestige von Wein zu verdanken. Und Wein braucht einen in Lebensdingen erfahrenen Berater um erkannt zu werden. Zumindest von gutaussehenden Brünetten mit locker sitzender Intimissimi-Unterwäsche, wie jene Darstellerin mit austauschbaren Namen, die sich in Erika Lusts kurzem Episodenfilm ein paar Gläser hinter die Binde kippt, bevor sie zum weißen Spritzer greift.

Es lebe die Waagrechte!

Wein ist hip, Winzer sind hip, Weinsomalier sind hip. Wer mal Sonntag früh gegen 2h in der Cordobar war, der weiß, wo diese Hipheit öfter hinführt. Geradewegs in die Waagrechte. Hoffentlich sind die Hauptdarsteller dann noch ansprechbar.

Jetzt ist der Sommelier also zu guter letzt in der populären Pornografie angekommen. Als Wet Dream der gerne ein Glas mehr trinkenden Frauenwelt. Es soll dem Image der Branche nichts Schlechteres geschehen. Und mir kein schlüpfriger Text entkommen. Letztlich wird nur verwirklicht, was Weine wie der Pornfelder von Lukas Kraus schon angedeutet haben: Saufen ist sexy. Das wird in den verstaubten deutschen Weingruppen, wo Weinmathematiker jeden Deziliter der Cuvée archivarisch festhalten, freilich nicht so erkannt. Alternde oder lebendtote Männer sind halt nicht sexy. Ein Fazit (wieder eins?) Es braucht weniger Weinforen, mehr Cordobars, und ja: Es braucht mehr Willi Schlögls.

Zum Trailer geht es hier! Und der ist sogar jugendfrei.

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