DURST !! SPRITZ !!

VON MANFRD KLIMEK Spritz, spritz das isn Witz (Nina Hagen). Nee, ist es nicht (thewineparty). Ein guter Spritzer, vulgo Schorle, macht den Sommer erst von innen nass. Ja, ich verstehe den Satz auch nicht. Aber es ist die Botschaft, die kühlt.

Die Weinschorle, seit Jahrhunderten DAS Sommergetränk mitteleuropäischer Weinregionen, ist im Verschwinden! Nein? Stimmt nicht? Stimmt schon! Hier in Berlin trinkt keiner mehr eine Weinschorle. Das mag auch am idiotischen Namen liegen. Beim Ösi heißt das Getränk Spritzer – ausgesprochen Spritza. Ejakulation sozusagen. Aber auch der Ösi trinkt keine Spritzer mehr. Außer beim Heurigen. Man sehnt sich nach den Werbeplakaten der Achtzigerjahre zurück. Da stand neben einer sexistisch verkauften Vollbusigen: Der Gspritzte hat wieder Saison. Heute bei keinem Werberat mehr durchzusetzen. Ein Gspritzter, das nur zu Aufklärung, ist ein Hohnwort, das man gegen Menschen wie mich verwendet. Ich bin ein Gspritzter. Und stolz drauf.

Die Weinschorle geht flöten. Am unteren Ende wurde sie von Energydrinks verdrängt (pappsüßer Dreck), am oberen Ende vom Aperol-Spritz, der Weiterentwicklung des friulisch-venetischen Spritz, ausgesprochen Spriiits, der dort seit gut 80 Jahren ein beliebter Aperitif ist.

Eine gute Weinschorle wird mit Soda gemacht. Und nicht mit Mineralwasser. Und es darf ein Eiswürfel in das Highball fallen. Oder in das Henkelglas. Aus einer Weinschorle kann man zwar kein Kultgetränk machen, aber immer noch einen wertvollen Drink. Denn wie bei einem banalen Gin Fizz kommt es auch bei der Schorle auf den wesentlichen Bestandteil an – auf den Träger des Alkohols, seine Verwertbarkeit, sein Aroma.

Traminer eher nicht, Muskateller gleich eimerweise

Nicht jede Rebsorte ist für Schorle geeignet. Unbrauchbar sind etwa alle Traminer, denn die meist schwergewichtige Aromatraube verliert mit Sodawasser ihre Hauptkomponenten, das Vollfruchtige, das Würzige. Verdünnt wirkt sie nur noch schal. So etwas will man nicht trinken.

Das gilt nicht für alle Aromasorten. Ein junger, frischer, grasiger Sauvignon wird seine Lebendigkeit auch mit einem Schuss neutralem Nass nicht einbüßen. Ein junger Muskateller auch nicht. Generationen steirischer Winzer vernichteten ihren Durst und ihre Führerscheine mit eimerweise „Muskatöllaspritza“.

Apropos jung: Die Weine für eine Weinschorle sollten immer aus dem aktuellen Jahrgang kommen (also 2014). Und sie sollten ausnahmslos im Stahltank ausgebaut sein, also keinen Holzgeschmack mitführen. Gänzlich ungeeignet sind Weinexperimente wie Orange Wine und Vin Naturel. Ebenso Große Gewächse und andere Ausnahmekreationen. Wenn ich das aber so lese, denke ich mir, dass es eventuell doch einen Versuch wert wäre. Vor allem der Oräntschspritzer.

Wöschrieslingspritza

Der beste aller Schorlen- oder Spritzweine ist der in Deutschland leider nicht beheimatete Welschriesling. Aus dem nördlichen und südlichen Osten Österreichs kommen auch die beiden anderen Rebsorten, die eine ideale Weinschorle ausmachen. Zuerst der Grüne Veltliner, die mit pfeffrig-würzig verschlagwortete Nationalrebe der Alpenrepublik, die auch für ganz hervorragende burgundische Weine stehen kann. Und dann der Silvaner, der aus der Steiermark nach Franken migrierte.

Völlig in Vergessenheit geraten ist die rote Weinschorle. Dabei hat gerade Deutschland mit Trollinger und Dornfelder nahezu ideale Spritzweine, die absurderweise meist unverdünnt und noch dazu nur mäßig gekühlt getrunken werden. Andere grandiose rote Schorlenweine sind der mitunter stark primärfruchtige Zweigelt, der einfach gekeltert ein absoluter Spaßmacher ist, dann der Vernatsch und der Lagrein, beides Weine, die man in Ausnahmefällen und Ausnahmejahren ganz grandios zur Spitze keltern kann, die aber sonst meist leichtgewichtig und süffig geerdet bleiben. Mit einem Mischverhältnis 2:1 und einem Eiswürfel sind diese drei das größte Glück an einem heißen Sommertag. So wie diesem jetzt. Beim Schreiben dieser Zeilen trank der Autor einen halben Liter Fräulein Hu von Katharina Wechlser. Kann man auch spritzen (duck und weg)..

Huhu! Fräulein Hu gibt es unter anderem hier. #kostnixmachtspass

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