Sch(l)äfer im Trockenen

VON MANFRED KLIMEK & HENDRIK CANIS. Es geht um den vorzüglichen Riesling Schlaflosheimer Gelümmel von Kai Schläfer. Oder so. Aber es geht um 2014, 2010, um Irrtümer, dumme Symmetrie und eine Gitarre. Es geht also um nichts..

Ich möchte zuerst Hendrik Canis danken, der mich inzwischen seit gut 15 Jahren als Gast erträgt. Hendrik Canis ist einer der besten Somalier Deutschlands, eine souveräne Größe und abgebrochener Schauspielstudent. Gottseidank wollte er nicht Landschaftsmaler und darob in Wien unterrichtet werden.

Hendrik hatte bis vor kurzer Zeit ein Restaurant namens Die Spindel in Friedrichshagen, was genau noch in Berlin liegt, aber ein kleiner, schöner und sehr gepflegter Stadtteil ist. Die Spindel war das einzige richtige gehobene Wirtshaus, das ich in Berlin kannte, also so ein Laden wie Sodoma in Tulln, die Dankbarkeit in Podersdorf oder der Floh in Langenlebarn. Sie sind alle um Wien herum. Und alle Paradies.

Canis‘ Spindel musste man lieben. Canis jedoch kam mit dem Ding nie so richtig auf die Beine. Gute Wertungen, stets zufriedene Gäste – aber eben zu wenige aus der Umgebung. Obwohl hier genug Leute mit reichlich Asche leben. Henrik und seine Spindel sind an der ELENDEN GEIZISTGEIL-MENTALITÄT DER DEUTSCHEN gescheitert, die lieber ihren BMW PRUNZFUTQUATTRO WASWEISSICH mit dem TEUERSTEN MOTORENÖL füttern, anstatt Leib und Seele zu verwöhnen. So ist Canis wieder zurück im VAU, was auch keine schlechte Nachricht ist. Er und Kolja – das waren tolle Zeiten. Jetzt muss nur noch der Martens wieder antreten. Dann ist das VAU mein Altes Land.

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Der Wein heißt so, wie ich mich fühle und nicht fühle. Nicht fühle ich mich wie das erste Wort im Namen des Weins. Doch fühle ich mich wie das zweite Wort im Namen des Weins. Ja, erraten: Ich denke die deutsche Sprache neu. Und reformiere sie bis 2025. Sie werden noch von mir hören, Ihre Enkel werden mich hassen. Denn ich mache ihr Deutsch noch komplizierter, als es jetzt schon ist – diese Dichter-Denker-Vernichtersprache.

Der Wein heißt Wachenheimer Gerümpel. Das bedeutet, dass ich mich weder wach noch daheim fühle. Das bedeutet, dass ich mich wie Gerümpel fühle. KAPIERT! Das mit dem nicht wach liegt daran, dass ich schon 30 Stunden nicht geschlafen habe. Nicht zu schlafen, ist mein Sport. Andere laufen rum und paragliden und sowas. Ich schlafe nicht. Erstaunlicherweise habe ich nicht den Eindruck, mehr Stunden Leben gelebt zu haben. Ich denke über diese sinnliche Wahrnehmung viel nach. Aber nur, wenn das schlaflose Hirn das Denken noch zulässt. Das ist nicht immer der Fall, wie Sie an diesem Text merken.

Gestern Mittag bei Hendrik Canis im Restaurant VAU war ich noch wach und habe ich mich beim Reden selber überholt. Das ist dann, wenn alle glauben, ich hätte vier Gramm Marschierpulver intus. Habe ich aber nicht. Nicht, wenn ich mich beim Reden überhole.

Warum dieser sinnlose Text? Warum denn nicht? Der Film dazu, der Film mit Canis, ist auch völlig sinnbefreit. Man erfährt nur bruchstückhaft über den Wein. Und ich will auch hier nichts weiter über den Gerümpel schreiben, außer dass er trocken, spritzig und gut war. Und eine wunderbare, in der Mitte habhafte Struktur hatte, die über die geringe Läge half. Wenn über die geringe Menge geholfen werden muss. Ich denke, dass muss nur bei Parvenus.

Der Wein ist eine Erste Lage. Vom VauDehPeh, der einzigen Partei, die ich außer meiner Partei wählen würde. Nee, ich würde eigentlich meine Partei nicht wählen. Das bin ja ich (Thomas Glavinic).

Ich sollte endlich beginnen, den Roman zu schreiben. Ich habe sogar einen Vertrag in der Tasche. Mit einer geringen Vorauszahlung verbunden, sollte ich je damit anfangen. Hab ’ne gute Idee dazu. Und die auch schon verkauft. Hat nichts mit Wein zu tun. Eh klar. Das wäre billig, wie Wasserbillig im Elsass.

Wenn ich dann so sitze wie jetzt hier und in diese WordPress-Vorlage hineinschreibe, dann kitzelt mich die Lust, einfach hier weiterzuschreiben. Den Roman. Ich sitze Tage und Nächte und Wochen und schreibe meinen Roman in eine WordPress-Matrix. Menschen bringen mir Tee, Tiere und Getreide. Damit ich überlebe. Und dann drücke ich auf „veröffentlichen“, und Sie da draußen fallen in Ohnmacht. Wer soll das alles lesen?

Den Wein gibt es hier – gut angelegte zwölf Eier.

Ich glaub‘ ich geh‘ jetzt schlafen.

 

 

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