Ein Bett im Dornfeld

VON GERHARD RETTER Dieser Wein verändert die Sicht auf eine deutsche Traube. Und auf die Möglichkeiten der Mosel. Mag sein, dass das nur mit dem Winzer zusammenhängt – Stefan Steinmetz, der Lincoln der Steillagen.

Achtung: Sie betreten einen Ausnahmewein. Dieser Dornfelder ist nicht zu vergleichen. Das liegt am Winzer Stefan Steinmetz, der seit einigen Jahren in seinem Weingut Günther Steinmetz viele Experimente keltert. Jedes Jahr zwei, drei neue Überraschungen. Und die nur in wenigen tausend Flaschen. Mehr Diversifizierung geht kaum.

Und Steinmetz experimentiert nicht nur mit Riesling, er wagt sich auch an den Dornfelder heran, der bei ihm nicht auf Schiefer, sondern in Lehm wurzelt. Alte Reben. Der Dornfelder zählt mit dem Trollinger und dem Portugieser zu den unnötigsten Rotweinsorten Deutschlands. In Südtirol kriegen die aus diesen faden Trauben wenigstens was Trinkbares hin. Aber hierzulande? Bis auf ein paar Ausnahmen nichts. Nada!

Steinmetz zieht mit seinem Dornfelder 40XL jetzt einen Schlussstrich unter die Erbarmen-Experimente deutscher Winzer, die sich den unnötigsten Sorten verpflichtet fühlen, als hätte man diese um ihren Erbteil am Weinhype betrogen. Steinmetz‘ Dornfelder ist der absolute Ausnahmewein. Und so sieht es auch Gerhard Retter – ein solcher Dornfelder ist noch nie dagewesen. Der nächste Jahrgang wird zeigen, ob Steinmetz wieder ein solcher Gigant glückt. Ob er es kann.

Trotzdem ist das kein Referenzwein. Es ist ein Steinmetzwein. Und er hat mit der Geschichte des Winzers und der Mosel zu tun. Nachmachen wird schwer. Doch warum auch?

Und für das, was er kann, kostet er einen absoluten Dreck. Ein Musswein der deutschen Weingeschichte. Für € 17,90 gibt es ihn hier. Nein, der Link wurde nicht bezahlt.

 

 

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