Dealt mit Daniel (endlich mal)

VON MANFRED KLIMEK / FOTOS VON RACHEL WIRTH Kann mal bitte jemand den Daniel Aßmuth aus der Warteschlange holen und ihm jenen Platz zuweisen, der ihm zusteht? Eines der größten deutschen Winzertalente kommt nicht an, wo es hingehört. Das muss sich ändern..

Warum nicht Aßmuth? Die Frage stelle ich mir immer wieder. Nein, so oft spukt mir Aßmuth freilich nicht im Kopf herum. Aber ich frage mich dazwischen – in den kleinen Momenten mir selten gegönnten Innehaltens – immer wieder mal: Warum nicht Aßmuth? Warum aber Wechsler? Weil sie eine Frau ist? Und sexy? Vorsicht Falle! Nein: Das ist schon richtig mit Wechsler. Sie macht super Weine. Und sie hat es nicht so leicht, wie sie es einem scheinen lässt. Ich freue mich, dass da was weitergeht. Aber warum nicht bei Aßmuth?

Der hat doch alles! Schaut gut aus. Ist ein Typ. Hat eine Linie. Zieht die durch. Hat nix geerbt, Winzer gelernt und sich selber alles aufgebaut. Kämpft sich durch. Und macht sehr gute, teils – jetzt kommt’s  – fantastische(!) Weine, die ich zu den besten Deutschlands zähle. Aßmuth ist doch eine Rakete von Winzer! Der kann etwas, das Stefan Attmann von Von Winning auch kann. Und der Knauß Andi aus’m Remstal. Und der durstige Durst. Und die Endemols..ähh, ich meine die Enderlemolls. Und viele andere mehr. Er kann einen Stil. Den kann er perfekt. Und er lässt sich von seiner Perfektion nicht einfach überwältigen (so wie ich es tue), sondern fragt sich immer aufs Neue, ob er denn gut genug ist. Der Aßmuth macht es sich nicht einfach. Und das merkt man. Man schmeckt’s.

Warum nicht Aßmuth? Was, warum nicht? Geht die Frage vielleicht ein bisschen präziser? Gut: Warum sind dem Daniel Aßmuth seine Weine nicht sofort ausverkauft? In einem Land so groß wie Deutschland und mit einer Szene enthusiastischer, engagierter Weintrinker, die sich in Facebookgruppen und Foren austauschen? Sind die blind, die Leute? Oder was?

Kultwinzer? Vielleicht anderswo

Dabei hat Aßmuth gerade mal so um die zwei Hektar. So viel ich weiß. Oder sogar weniger? Gute Lagen, so viel ich weiß. Mehr Garagenwinzer geht kaum. Dieser Daniel Aßmuth hat also the right stuff, ein richtiger Kultwinzer zu sein. Und wäre es auch. Beim Ösi beispielsweise, wo man mich aus dem Mutterleib gezogen hat. Dort wäre Aßmuth in der Steiermark sicher einer der trinkfesteren Hawara (gugeln) der Sauvignon-Gang. Auch beim Franzosen. Erst recht beim Italiener. Aßmuth im Karst? Ich will mir die Adorier-Artikel gar nicht vorstellen. Erst recht wenn er einen auf Oräntsch machen würde.

Aber Aßmuth keltert in Deutschland. Hier ist manches anders als Out of Rosenheim. Ich muss das nicht verstehen. Aber ich würde gerne. Demnächst lebe ich länger unter Piefkes als unter Gschamsta-Diener-Buckligen (gugeln), und das hier ist der vierte Artikel, den ich über die großartigen Weine des Daniel Aßmuth schreibe. Und auch der wird wieder nix helfen. Ich werde seinen Namen in Berlin auch weiterhin selten auf jenen Weinkarten finden, auf die er gehört. Vielleicht trage ich den Fall Aßmuth demnächst in Genf bei den Vereinten Nationen vor. Irgendeine Menschenrechtsverletzung wird sich doch finden lassen!

Gaumenlawine

Doch trinken wir mal. Zuerst das Standardwerk, das viel Aussagekraft hat, den Riesling „Kaleidoskop“ von 2013, denn den 2014er habe ich noch nicht. Hier ist die Handschrift am deutlichsten rauszuschmecken. Karg, aber kräftig. Saftig und furztrocken. Zur Gänze tiefgelegt, dem Boden nah → Mineralität. Ich weiß, es gibt es „Experten“, die sagen, man könne Mineralität weder riechen noch schmecken. Ich kann. Das reicht. Ich glaube auch kein Wort, wenn irgendwelche verquasten Hirnforscher mir einreden wollen, ich hätte keinen freien Willen. Die sollen mal vorbeikommen und sich den freien Willen bei mir abholen. Frei Haus!

Was der Kaleisdoskop verspricht, setzten die Rieslinge „Fuchsmantel junge Reben“ und „Fuchsmantel alte Reben“ fort. Beide von duemilatredici. Die jungen Reben freilich saftiger, duftiger und weniger karg; die alten ein Mineralitätsmonster mit einer Lawine Druck am Gaumen und einem irren Nachhall (Trottelwort), dass man glaubt, einen mit Aprikosenmarmelade belegten, flüssigen Kieselstein runterzuschlucken. Klingt weniger gut, als es schmeckt.

Eine Stufe höher noch, dort ein wirklich großes Gewächs, der Riesling Dürkheimer Rittergarten 2013. Bumm! Den sollten sich manche Kollegen in der Pfalz mal eintrichtern. So geht brutal auf die Mineralität gelegter Riesling, der Frucht und Säure noch Platz genug lässt, damit beide um einen Ehering betteln können. Diesen Wein sollte man in fünf Jahren mal in eine Jahrgangsblindverkostung reinschmuggeln. „Ahh, von dem ist der! Aha. Na schau mal.“

Wir schauen nicht, wir trinken weiter. Ich trinke Aßmuths Absurdcuvée aus Riesling und Gewürztraminer, Jahrgang 2012. Geht das überhaupt? Und ob, denn Aßmuths Steinewerfer-Riesling nimmt dem schmeichelnden Traminer schnell alles Huröse weg, und so kommt ein Wein ins Glas, den ich in dieser Art noch nie getrunken habe. Hart und weich zugleich und an beiden Enden in den Extremen verankert. Dazu, wie fast immer bei Aßmuth, eine stabile Mitte, ein Maul von Wein, ein kräftiger Schluck.

Das war’s

Mehr kenne ich nicht. Mir reicht das mal. Über Aßmuths Rosé-Sekt wird mir überschäumend berichtet. Die Leute, die das tun, kennen sich aus. Wird also was dran sein. Die Lust, den Portugieser zu kultivieren, habe ich nie verstanden. Bis mir Horst Hummel neulich seinen 2013er zu trinken gab. Danach werde ich den von Daniel Mammuth (das hat die dämliche Autokorrektur so geschrieben, und ich lassse es stehen, damit sie sich schämt, die dämliche Autokorrektur) auch probieren müssen. Und ein paar andere mehr.

Warum also nicht Aßmuth? Ja, wasweißich? Vielleicht dreht sich das ja mal, und ich bekomme seine Sachen bei mir um die Ecke. Oder vielleicht borgt ihm Markus Schneider ein paar Ecken diverser Lagen. Vielleicht lässt man dann eines der größten Winzertalente Deutschlands nicht einfach so links liegen. Wäre mal was. Sonst schreibe ich wieder drüber. Das ist Drohung genug, denke ich.

Daniel Aßmuths Weine kosten einen „Dreck“ (für das, was sie sind). Und es gibt sie z.B. bei Weinforster. Oder der Weinraumwohnung in Mainz. Und freilich auch beim Frollein Döring im tvino-Weinladen in HH. Und dann auch sicher noch wasweißichwo. Aber dort eher selten.

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