Frau Wallners Gespür für Wein

VON MANFRED KLIMEK Manche Probeflaschen bleiben zu lange im Keller. Viel zu lange. Jene der Frauwallners zum Beispiel. Die habe ich aber noch rechtzeitig „saufgemacht“. Und dabei erkannt, etwas versäumt zu haben.

Wie mein Umfeld weiß, neige ich zur Ignoranz. Das ist nicht gerade die beste Voraussetzung, diese Seite hier zu gestalten. Ich bin zu alt, um noch an wirklich interessante Entdeckungen zu glauben, und trinke am liebsten das, was ich eh schon kenne, noch dazu von Winzern, die ich eh schon kenne und die mich auch eh schon kennen und mir das hinstellen, das ich eh kenne und eh mag. So kennt sich jeder. Und jeder kennt sich aus: eine Welt ohne Überraschungen, ein Dasein diesseits neuer Erkenntnisse. Eigentlich kann ich mich gleich zum Sterben hinlegen. Alles gehabt, alles vorbei. Tschüss!

Aber es schmeckt, das Altbekannte. Und so bleibe ich der Welt erhalten und das flüssig Unbekannte ein paar Jahre im Keller liegen, bis mir mein virtueller Zwilling – eine Art Harvey-Hase – in den Arsch tritt und ich ein paar Flaschen hochhole, die ich normalerweise im Dunklen hätte verrotten lassen. Sie flüstern: „Doch du warst mein Erbarmen“ (Rilke).

Diesmal sind es drei Weine vom Weingut Frau Wallner aus Straden. Hoppla, was les‘ ich denn da? Das Weingut heißt Frauwallner. Zusammengeschrieben. Das Etikett auf den Flaschen ermuntert nicht gerade, den Drehverschluss krachen zu hören. Egal. Straden? Da keltert ja auch der Neumeister, ein Weingut, das ich immer trinke und das…. Na, Sie wissen schon.

Schamröte ahead

Am Jahrgang sehe ich, dass mir die Weine schon vor längerer Zeit zugeschickt wurden. Der Weißburgunder „vom Buch“ zum Beispiel. 2011 steht da drauf. Du meine Güte, den haben die mir schon vor zwei Jahren herangekarrt. Das treibt mir glatt die Schamröte ins Gesicht. Also schnell ins Glas damit. Mal sehen, ob der noch was taugt. Denke mal, das ist so ein allez-hop-Frischwein. Falsch gedacht.

Der junge Frauwallner war mal Talent des Jahres oder so ähnlich. Bei Gault-Millau. Und dann war er auch Winzer des Jahres. In der Steiermark. Deswegen grinst er bei der Gugel-Fotosuche immer mit irgendwelchen Auszeichnungen aus dem Bild. Er hält sie in der Hand. Dann auch mal übern Kopf. Wie es die Sportler tun. Das kann nerven. Diese Staubfänger braucht kein Mensch. Ich spreche aus Erfahrung: Bis auf eine goldene Kreativfigur habe ich diese Art Selbstbestätigungs-Nippes beim vorletzten Umzug entsorgt.

Nun zum Weißburgunder Buch. Aber hallo. Für seine drei Jahre noch ordentlich im Saft. Und auch sehr elegant. Liegt am großen Holz, von dem ich mir einbilde, dass es kleiner war, als auf dem Etikett angegeben ist. Naja, Einbildung ist ja auch eine Bildung.

Weiter auf Seite 2

Ad