„Unsere Weine müssen immer high machen.“

INTERVIEW Stefanie und Alwin Jurtschitsch über ihren radikalen Umgang mit der Tradition, die Präzision und Vielfalt ihrer Weine und den gemeinsamen Geschmack, den man erst findet, wenn man Unmengen Wein gesoffen hat.

Also: Der Name Jurtschitsch ist vielen Weintrinkern schon seit Jahren gut bekannt, und das Weingut genießt eine große Popularität. Jetzt haben Stefanie und du den Betrieb vor ein paar Jahren von deinen Eltern übernommen und gleich mit einigen Traditionen schnell und radikal gebrochen. Wie kam es dazu?

Tradition ist immer gut, wenn du darauf aufbauen kannst. Aber du darfst halt nicht einschlafen. Ich bin ja gleich nach der Matura aus Langenlois weg..

Wohin?

Zuerst nach Neuseeland. Dort bin ich von Weingut zu Weingut getingelt und habe als Büttenträger gearbeitet, also die einfachsten Dienste gemacht. Das war eine irrsinnig tolle Zeit, denn ich war jeden Abend mit Praktikanten aus der ganzen Welt unterwegs, die dort auch gearbeitet haben, und wir haben geredet, was im Weinbau so abgeht. Ich habe dann auch schnell kapiert, dass mir diese Welt gefallen könnte.

Das heißt, dass du zuerst gar nicht so drauf aus warst, den Hof zu übernehmen?

Nö, ich war überhaupt nicht drauf aus, nach Langenlois zurückzugehen, und bin tatsächlich noch einige Monate durch die Welt gefahren, vor allem durch Frankreich, um auf Weingütern zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. In Chile hat es dann aber mit einem Job nicht geklappt und mein Vater hat gesagt: „Pass auf jetzt! Entweder ganz oder gar nicht!“

Und?

Ich bin natürlich erstmal zurück nach Österreich, habe mich dann aber gleich wieder verabschiedet und bin zum Studieren nach Geisenheim abgedampft.

Wo du Stefanie kennen gelernt hast. Deine Frau..

Nein. Stefanie habe ich schon 2003 beim Praktikum im Weingut kennen gelernt. Wir sind dann gemeinsam ins Studium gegangen. Die Weinbau-Uni in Geisenheim ist eine tolle Uni. Und zwar, man möge mit verzeihen, nicht die Uni selbst, sondern die Leute und die Umgebung da, also der Rheingau und Rheinhessen. Wir haben in den drei Jahren irre viele Flaschen aufgerissen und uns quasi das nötige Wissen angesoffen. So haben wir auch den gemeinsamen Geschmack für unsere Weine definiert. Es ist verdammt wichtig, da an einem Strang zu ziehen und das Gleiche zu wollen.

Stefanie, war es schwer für dich, als Deutsche nach Österreich auszuwandern?

Nein. Aber es war dann nicht leicht, hier Fuß zu fassen. Meine Eltern haben ja auch ein Weingut, also kam ich nicht ohne Erfahrung hierher. Doch wir haben gleich so viel anders gemacht, dass viele Leute sehr skeptisch waren. Diese Skepsis galt aber nicht nur mir, sondern uns beiden gemeinsam.

Womit wir nun wieder bei der Anfangsfrage sind, die wir irgendwie verplaudert haben. Was kam, nachdem ihr mit den Traditionen gebrochen habt?

Wir haben die Weine schlanker gemacht und ihren Charakter geschärft. Generell gilt, dass sich jede neue Winzergeneration den Zugang zum Wein und Weinmachen neu erarbeiten muss. Wir haben recherchiert und hinterfragt und dann daran gefeilt, dass unsere Weine präziser und eleganter werden.

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