Lidl ist der Beste!

VON LADY BUMP Lidl ist Deutschlands bester Online-Fachhändler in Sachen Wein. Wer sagt das? Die Jury der Berliner Weintrophy? Was war im Trinkwasser? Frag lieber, was im Kuvert war. Die Geschichte eines Irrtums.

Bei der „Berliner Wein Trophy“ bekommen 1000 Weine eine Medaille. 1000. Einfach so geradeaus. Von 3500 Einreichungen. Da kann man sich ausrechnen, dass man auch mit einem gegen die Menschenrechte verstoßenden Rebensaft irgendeine runde, funkelnde Selbstkleber-Plakette in die Hand gedrückt bekommt, die man dann auf seine Weinflaschen pappen kann. Ich nehme an, eine einzige Plakette wird dem Winzer nicht reichen, denn er füllt ja nicht nur eine Flasche Wein. Also muss man ein paar Plaketten für seine Paletten drucken. Wer macht das? Was kriegt der dafür? Und was kostet den Ausstellern das Ausstellen? Du liebe Güte, auf solche Ideen hätte ich schon vor Jahren kommen können. Noch vor diesem Online-Hype. Da wäre ich jetzt reich. Man darf sich für manches eben nicht zu gut sein.

Die Berliner Wein Trophy, so kann man kombinieren, gehört der „Deutsche Wein Marketing GmbH“ und ist erstaunlicherweise die fünftgrößte internationale Weinprämierung. In der Jury sitzen ca. 120 Personen, von denen man weiß, dass sie nach Ende des Wettbewerbs zur Blutwäsche in die Schweiz fliegen. So wie Keith Richard das tut. Das ist es Peter Antony, dem Geschäftsführer des Trophy-Marketing-Konstrukts, schon wert, denn er braucht die Jury nächstes Jahr ja wieder. Antony selber braucht freilich keine Reinigung vom Gift des Fusels – er trinkt keinen Tropfen Alkohol. Eine Idealbesetzung für den Job. (Weil diese Seite die von Rechtsanwälten meistgelesene Weinseite ist, schreibe ich für die letzten paar Sätze „Satire“ hin.)

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil die Berliner Wein Trophy den uns allen gelinde gesagt als unfreundlich bekannten Discounter Lidl vor zwei Tagen zum besten Wein-Online-Fachhändler Deutschlands gekrönt hat, ausgezeichnet mit einer etwas größeren Plakette, die eine Flasche zudecken würde – deswegen kommt sie auch an die Wand. Lidl wurde von einer Jury zum Sieger gemacht, der offenbar der Leiter eines Weißmäntel-Instituts (Drogisten, Irrenärzte, sonstwas) namens Berliner Weinkontrolle vorsteht. Deren Webauftritt sieht aus, als hätte die DDR im Netz überlebt und sich dort als Grafikdesigner selbstständig gemacht.

Kleinhäusler auf großem Fuß

Eine Kleinhäuslerpartie betreibt also die fünftgrößte Weinprämierung der Welt. Und weil zwei Kleinhäuslergiganten sich gerne zusammentun, haben sich die Trophymarketinger mit den ausbeutenden Verschleuderern zusammengetan. Die Frage ist nur: Wer hat zuerst angerufen?

Irgendeiner wohl schon letztes Jahr, denn da hat die Weinmarketing den Pokal des besten Wir-verkaufen-auch-Wein-Discounters an Lidl vergeben. Dazu wurden noch ein paar eher ausdruckslose Weine prämiert, die man dort kaufen kann. Da muss man doch irgendwann mal dankbar sein. Die Frage ist nur: wer?

Lidl hat letztes Jahr begonnen, mit Weinwissen zu glänzen. Zumindest hat die Firma so getan als ob. Und – ganz ehrlich – das ist diesen Leuteschindern auch gut gelungen. Kranke Angestellte werden bei Lidl unter Druck gesetzt, doch der sich darüber Empörende kann zum Behufe seiner Abregung ab und zu bei Lidl im Internetz auch ein Flascherl Yquem ergattern. Oder gerade aktuell den 2007er Figeac für 84,99. Das ist er ungefähr auch wert. Also nix discount.

Do the Bamp!

Für Lidl bewertet ein gewisser Herr Bampfield, ein Name wie für einen Bond-Bösewicht („Bond, nehmen Sie den nächsten Flieger nach Caracas. Bampfield will sich dort mit Snowden treffen“). Bampfield aber – das spricht für Lidl – urteilt tatsächlich nachvollziehbar. Und er setzt die Punkte nicht so hoch an, wie wir es tun. Na gut, wir sind ja auch nur eine Parodie. Aber eine ernstzunehmende.

Lidl als bester Online-Fassweinhändler.. ääh Weinfachhändler? Das ist keine Fehleinschätzung, sondern ein Irrtum. Auf diesen Irrtum werden sie bei Lidl bald kommen, und dann kann „Bampi“ wieder auf der Insel der Blasierten die vergreisenden Besitzer alten Geldes mit seinen Tipps belehren. Dass es Lidl überhaupt in diese Kategorie Wein-Wahrnehmung schaffte, verdankt Deutschland dem Umstand, dass es in der Brunzelrepublik keine Kette namens Wein&Co gibt. Dann wäre alles anders. Und der Lidl bloß der Lidl. Hat sich halt keiner getraut, das Fass aufzumachen. Ewig schade.

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Der Klimschi liest, was der Bampi so empfiehlt, und gibt seinen eigenen Senf dazu. Wer bei Amazon kauft, kann auch bei Lidl bestellen. Etwa den großartigen Château Nénin 2010 (€ 59,99) oder den Marquis de Terme 2010 (€ 39,99). Der 2010er Zweitwein der Comtesse liegt auch bei Lidl rum (€ 42,99). Bampi findet ihn bloß ok, ich hingegen ganz formidabel. Setzen!

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