Die rote Gefahr!

VON MANFRED KLIMEK Ein Blick ins Rewe-Regal muss manchen heimischen Winzern Angst machen. Denn da steht ein ein Wein aus einem renommierten, spanischen Weingut herum, der sein Geld mehr als Wert ist. Was haben die noch so für Leichen im Keller?

Gleich zur Sache, gleich zum Wein. „Dehesa la Granja“. Klingt wie eine Tangotante auf Welttournee, ist aber ein reinsortiger Tempranillo aus Toro (nicht zu verwechseln mit Torero), einer Weinregion in Spanien (no na). Der Wein ruhte nach der Gärung 24 Monate in Barriques aus amerikanischer Eiche (macht den Wein süßer), sicher mehr gebrauchtes Holz als neues, und wurde dann mit 14 Umdrehungen in die Flaschen entlassen. Jahrgang 2007! Ist wahrscheinlich jetzt in der besten Trinkreife. Der Winzer des Dehesa heißt Alejandro Fernández und beglückt uns seit mehr als 20 Jahren mit seinem mittelteuren Markenwein „Pesquera“, der einer der ersten Senkrechtstarter der spanischen Weinwelle war. Das war um 1995, man konnte dem einprägsamen Schriftzug der Fernández-Weine in kaum einem Restaurant aus dem Wege gehen. Was damals aufregend und neu war, hat inzwischen an Glanz verloren. Ein sehr gut gemachter Weine ist der Pesquera aber immer noch.

Der Dehesa ist der einfachste aller Fernández-Weine. Und schon den stecken sie in amerikanische Eiche, als wäre das Geld abgeschafft. Im Ribera, dieser spanischen Massenproduktions-Weinregion, wo er schlussendlich gekeltert wird. Jetzt steht der Dehesa 2007 bei Rewe im Regal. Und kostet € 8,75. Bumm!

Es ist ein guter Wein. Sogar mehr als ein guter Alltagswein. Wider Erwarten schmeckt er noch jung, braucht sogar Luft, um sich zu öffnen, hat Frucht und einen stabilen Kern. Ja, am Gaumen kommt er dann etwas flacher, aber er ist niemals eine jener fürchterlichen, ätzenden Alkoholbomben, die man aus dem Ribera zunehmend kennt. Mit dem Dehesa kann man nicht viel falsch machen, wenn man auf kräftige, aber samtige Barriqueweine steht. Und wer tut das nicht? Ja, ich weiß: Sie nicht. Und Sie da hinten auch nicht. Aber Sie sind die Minderheit. Glauben Sie mir.

The big sleep

Jahrgang 2007. Ein bisschen gugeln. Hoppla, wo ist der liegengeblieben? Den gibt es ja noch zuhauf am Markt. Warum hat man den Dehesa fünf Jahre versteckt? Sicher nicht, um mehr Geld mit ihm zu machen, denn der Preis ist ja ein Witz. Da kann so manch teurerer Rote nicht mit.

Und Jessas: Da gibt es noch den „El Vínculo“ 2006 von Fernández. Der ist auch noch am Markt. Für € 9,90. Du liebes bisschen. Der Vínculo war zwar nur 18 Monate im Ami-Eichenfass, dafür kriegte er aber mehr neues Holz ab. Das macht sich nicht bemerkbar, der eine Euro mehr aber schon, denn der Vínculo hat relativ viel Noblesse. Zugegeben: kein richtig großer Wein. Das kann man ja auch für € 9,90 nicht verlangen. Aber dann doch ein richtig guter Wein, mit dem man wieder nichts falsch machen kann. Jahrgang 2006? Kopfkratz! Wo lag der so lange herum? Noch dazu, wo ihm Parker 2009 sogar 92 Punkte gegeben hat? Trotzdem unverkäuflich? Hmm.

Und weil da noch viel mehr Flaschen sind, schmeißen die Fernández-Importeure auch noch den „Condado de Haza Crianza“ 2010 auf den Markt. Für € 12,50. Wieder ein Schnäppchen. Der lag nur 15 Monate im Holz, das war aber fast zur Gänze neu. Ich kann auch keinen riesigen Unterschied in der Machart erkennen. Reife Trauben, sauber verarbeitet, amerikanische Eiche, voll die Neunziger. Keine önologische Moderne. Warum auch?

Rote Ernte

Das Problem: Diese drei spanischen Markenweine kosten alle ungefähr so viel wie die meisten einfachen Rotweine aus Deutschland oder Österreich. Und geradeaus gesagt bekommt man für € 12,50 keinen vergleichbar guten, kräftigen Rotwein, der sogar eine Spur Handschrift zeigt. Nicht mal bei den Chilenen.

Wäre ich österreichischer oder deutscher Rotweinwinzer, würden mir diese Angebote Sorgenfalten machen. Gottseidank ist der Markt groß. Und das regionale Trinken in Mode.

Die Angebotsweine von Alejandro Fernández gibt es bei Rewe oder bei Silkes Weinkeller. Hier der Link.

Um Irrtümern und Fehlannahmen vorzubeugen: Kein Mitglied der Redaktion und der Organisation verdient auch nur einen Cent an den Links. Unsere Links sind frei.

Ad