„Im Burgenland soll man keltern, was da wächst“

INTERVIEW Der Spitzenwinzer Paul Achs über die vielen Kinder der Golser Winzer, einen Chardonnay, der einmal ein Weißburgunder war und wie ihm der Weinbau ein Bein kostete. Und er trotzdem Winzer wurde.

Aha, ich dachte, du holst mich jetzt mit einem SUV ab oder mit einem Geländewagen, wie ihn Winzer ja gerne verwenden, aber stattdessen kommst du in einer ganz normalen, ich trau’ mich das gar nicht sagen, fast spießigen Familienschüssel daher. Ist das dein einziges Auto?

Klar. Ich brauch kein anderes. Der Wagen hat den Vorteil, dass man hinten drei Kindersitze nebeneinander reinstellen kann. Ein Auto ist für mich ein Gebrauchsgegenstand. Mehr nicht.

Drei Sitze. Also drei Kinder?

Vier Buben. Der vierte ist schon groß genug, er braucht keinen Kindersitz mehr.

Eine stattliche Anzahl Gschrappn! Kompliment!

Danke. Wir in der Pannobile-Gruppe haben witzigerweise alle viele Kinder. Die Heinrichs haben drei, die Renners auch und der John Nittnaus hat vier. Wie ich. Nur dem seine sind schon erwachsen.

Pannobile ist ja letztes Jahr zwanzig Jahre alt geworden und war eine der ersten modernen Winzervereinigungen Österreichs. Wenn du so zurückblickst, wie ist es gelaufen?

Sehr gut. Ich habe damals ja den elterlichen Betrieb gerade erst drei Jahre übernommen gehabt und konnte mit meinen Rotweinen in der Zeit ein paar schnelle Erfolge einfahren, also Preise, die man nicht einfach so abräumt. Da war schon was dahinter.

Wie kam es zu Pannobile?

Wir waren lauter Einzelkämpfer in der Gegend und haben uns damals zusammengeschlossen, damit man nicht nur über die Winzer spricht, sondern auch über die Region. Davon haben alle enorm profitiert, auch jene, die gar nicht dabei sind, denn die Leute wollten wissen, welche anderen guten Winzer es in der Gegend gibt. Was ich so faszinierend finde, ist, dass alle neun Betriebe immer noch gut zusammenarbeiten. Keiner ist dem anderen was neidig; man steht einander nicht im Weg und tauscht Beobachtungen aus.

Welche?

Wenn der Gernot Heinrich zum Beispiel beim Ungerberg vorbeifährt und sieht, dass da die Trauben in der Reife schon weiter sind, dann ruft er mich an und sagt mir das. Solche Dinge halt. Ganz einfach was man merkt oder aufschnappt und für die anderen wichtig sein könnte. Das klingt banal, ist aber nicht selbstverständlich, wie du sicher weißt.

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