Die Prüms. Eine süße Familie!

VON MANFRED KLIMEK Plopp, Korken raus. Und der Riesling stinkt. Was kann das sein? Erraten: Ein Wein der Prüms, Moselwinzer mit Exzellenz und Lagen statt Terroir. Nun feiert Manfred Prüm seinen 80ten Geburtstag. Zeit für einen Besuch.

Nicht in den Keller“, sagt Manfred Prüm sehr bestimmt, „wir gehen nicht in den Keller. Der ist nicht so interessant, und schön ist er auch nicht.“ Nicht in den Keller also. Dabei ist gerade der Keller das Geheimnisvollste bei Prüm, man vermutet von Hefeschimmel zugekleisterte, alte Gewölbe, in welchen neben alten Fässern auch Tausende von Flaschen lagern – die Jahrgänge von drei Generationen. „Nicht in den Keller“, das hören wohl alle Besucher des Weinguts in Wehlen, doch Manfred Prüm wird später eine Ausnahme machen. So viel sei jetzt schon verraten: Schön ist der Keller wirklich nicht.

Manfred Prüm ist gerade achtzig Jahre alt geworden. Früher waren Achtzigjährige betagte, greisenhafte Jubilare; heute, wo Fünfzig das neue Dreißig ist, macht Prüm sein Achtzig eben zum neuen Sechzig. Er denkt schneller als andere seines Alters und bewegt sich mit erstaunlicher Gelenkigkeit durch die Räume, deren hochwertig-bürgerliche Einrichtung gekonnt von eine paar Designerstücken unterbrochen wird. Etwa von einer Esstischlampe, die ihr gebündeltes Licht durch einige durchsichtige Glasfächer schießt und es in den Gesichtern schattenlos walten lässt. Zeitloses trifft auf Moderne.

Wenn die Metapher schon dasteht, darf sie ruhig auch mal verwendet werden: Prüms Weine sind zeitlos und trotzdem modern. Modisch waren sie nie. Joh. Jos. Prüm, das ist ein Etikett, das jeder kennt und von dem keiner weiß, was darauf abgebildet ist. Es ist das Herrenhaus mit der Wehlener Stahlbrücke und einem Teil der dem Haus gegenüber liegenden Lage Sonnenuhr. Doch die blasse Grafik unterliegt dem markanten Schriftzug, dem Johann und dem Josef – beide abgekürzt. Die merkt sich jeder. In Amerika nennen sie das Weingut deswegen auch nur „Dschäi Dschäi“.

 I am legend

Sind Sie eine Legende? Manfred Prüm lacht laut auf und schüttelt den Kopf, als würde er diese Frage das erste Mal hören. Eine Legende? Nein, das wollte er nie sein; er, der gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wolfgang das Weingut übernahm, als sein Vater Sebastian-Alois 1969 überraschend mit 66 Jahren starb. Manfred hatte bis dahin Jura studiert und ging mit der Idee schwanger, nebenbei ein paar Jahre „Anwalt zu spielen“, also diesen Beruf nie ganz ernst zu nehmen. Denn er wusste ja, dass er irgendwann alleinverantwortlich im Gut arbeiten musste. Dem Ausweglosen hat er schon sehr früh ein Semester Geisenheim vorgeschoben – studieren an der berühmtesten Weinbauakademie im Rheingau. Als Gasthörer.

Irgendwie ist er also reingerutscht in die Welt der Moselweine, die 1969 noch um einiges übersichtlicher war als heute. Damals gab es weniger qualifizierte Anbieter, also auch weniger Flaschen, was für ein Weingut wie Prüm bedeutete, dass man die Flaschen leichter loswurde. Das ist zwar noch heute so, doch damals keine Selbstverständlichkeit, denn „deutsche Weine“, so Prüm, „standen nicht unbedingt im Fokus der deutschen Öffentlichkeit.“

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