„Der Veltliner ist die geilste Sorte!“

INTERVIEW Laurenz Maria Moser der fünfte, genannt Lenz Moser, über seine berühmte Dynastie, den Alleskönner Grünen Veltliner im Barrique und was man von den Amerikanern alles lernen kann.

Lenz Moser „der Fünfte“, das bedeutet, dass Du Teil einer Weinbaudynastie bist, wie man sie in ganz Europa nur selten findet. Wie lebt es sich als Mitglied und Verwalter einer solchen Familie?

Es spornt mich an! Jedes mal, wenn ich in einen Weingarten gehe und dort den Drahtrahmen sehe, dann erinnere ich mich daran, dass mein Großvater vor fast achtzig Jahren mit seiner Hochkultur-Methode den europäischen Weinbau nachhaltig revolutioniert hat. Er war auch maßgeblich für den Erfolg des Grünen Veltliners verantwortlich, weil er erkannte, dass es damals keine eigenständige, weiße österreichische Rebsorte gab, dass etwas fehlt, das den österreichischen Weinbau in der Welt bekannt macht.

Dein Vater, der ja immer noch sehr rüstig herumhirscht, hat Mitte der Siebzigerjahre den „Grünen Weingarten“ propagiert.

Stimmt. Das war 1978, und die grüne Bewegung war erst im Entstehen. Mein Vater hat sich damals mit der Uni für Bodenkultur zusammengetan und dort gelehrt, dass man den Weingarten wie einen Wald betrachten soll, der auch ohne große Eingriffe zurechtkommt und nutzbare Pflanzen liefert, ohne dass man Tonnen von Spritzmittel in seinen Boden pumpt. Von heutigem Standpunkt betrachtet war das eine Pionierleistung, weil es damals keine Studien und Vergleichswerte gab, sondern nur die Behauptung meines Vaters, eine Überzeugung, die sich heute als richtig erweist.

Vielleicht eine sehr sensible Frage: Du bist der letzte Lenz Moser, der Lenz Moser geleitet hat. Hat Dir das je zu schaffen gemacht?

Nein, denn mir hat ja nie etwas gehört von dem Laden. Ich bin da aber sehr amerikanisch geprägt und sehe gerne das Positive. Und Lenz Moser war gut aufgestellt, als ich weggegangen bin.

Du bist dann zum legendären Robert Mondavi gegangen, dem wohl berühmtesten Winzer der Welt.

Ja, das war eine große Ehre. So ein Jobangebot kommt nicht jeden Tag. Damals war Mondavi ja der moderne Weinguru aus Kalifornien, und seine Weine wurden gleich hoch gehandelt wie die teuersten französischen Bordeaux. Bei so einem Mann und in einem derart international aufgestellten Betrieb kann man viel lernen.

Was lernt man von den Amerikanern?

Ganz einfach den positiven Ansatz zur Problemlösung: Die Amis sagen nicht, wie es nicht geht, sondern sie sagen, wie es geht. Und komm nie mit einem Problem, komm lieber gleich mit einer Lösung.

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