Die Buhlschaft

VON MANFRED KLIMEK Champagner für Jedermann! Ups! Ist ja gar kein Champagner. Sondern Rieslingsekt. Aus der Pfalz. Schmeckt aber wie Champagner. Das liegt am Önologen. Und der hat ihn im Blut. Den Champagner.

Es ist ein seltsames Triumvirat, das hier in Deidesheim im Gewölbekeller des Weinguts Reichsrat von Buhl Gläser mit Kostproben verteilt. Drei Menschen mit gänzlich verschiedenen Lebenswegen und unterschiedlichen Berufen. Sie haben sich hier eingefunden, weil sie ihr Projekt vorstellen wollen. Und dieses Projekt ist kein Geringeres, als den besten Rieslingsekt Deutschlands zu keltern.

Da ist Richard Grosche, Geschäftsführer bei Reichsrat von Buhl, gelernter Journalist und zuletzt Chefredakteur eines renommierten Weinmagazins, das  – wie alle Weinmagazine – dramatisch unter der Konkurrenz der Blogger leidet. Grosche ahnte das Gebot der Stunde und wechselte die Seite. Heute muss er sich mit jenen alten und unerbittlichen Weinkritikern herumschlagen, die ihn noch als Kollege kannten.

Kein Riesling in der „Schampäin“

Da ist Mathieu Kauffmann, der langjährige Önologe des Champagnerhauses Bollinger, das unter seiner Aufsicht das ohnehin außerordentlich hohe Niveau der Abfüllungen noch einmal steigern konnte. Kauffmann ist in die Pfalz gekommen, weil er sein Leben davon geträumt hat, mit Riesling zu arbeiten. In der Champagne gibt es keinen Riesling.

Und da ist Jana Niederberger. Sie besitzt Reichsrat von Buhl und ist die junge Witwe von Achim Niederberger, der letztes Jahr während der Behandlung einer schweren Krankheit überraschend verstarb. Niederberger baute nach der Wende aus dem Nichts einen großen Werbekonzern auf und stieg zu einem der reichsten deutschen Unternehmer auf. Der enthusiastische Weintrinker kaufte um die Jahrtausendwende ein Haus mit Rebengarten und ließ von den Trauben – mehr als Hobby gedacht – seinen ersten Jahrgang keltern.

Drei dicke Dinger

Doch dabei blieb es nicht. Der von Wein begeisterte Entrepreneur erwarb innerhalb von sieben Jahren neben Reichsrat von Buhl auch noch die Deidesheimer Güter Bassermann-Jordan, Dr. Deinhard und von Winning, drei weitere herausragende Betriebe, die in den letzten Jahren für erhebliche Furore sorgten. Niederberger investierte eine beachtliche Summe in Hänge, Gebäude und Keller, gleichzeitig baute er zwei Hotels und ein Sternerestaurant. Das heutige Deidesheim ist önologisch und kulinarisch von Niederberger geprägt.

Mehr aus Instinkt und später wohl auch aus unternehmerischen Kalkül begann Niederberger das zu tun, was wohl auch VW-Chef Ferdinand Piëch mit vier gleichartigen Fabrikationsstätten gemacht hätte: Er teilte jedem Weingut eine Aufgabe zu, oktroyierte verschiedene Handschriften und bestimmte die Ausrichtung auf den Märkten. Hohe Effizienz und wenig Romantik. So etwas hatte im deutschen Weinbau noch keiner gewagt.

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