Der slowakische Freund

VON MANFRED KLIMEK Der Osten ist nicht weit. In der Slowakei hat Egon Müller, einer der prominentesten Winzer Deutschlands, ein Weingut hingestellt. Manfred Klimek besuchte Chateau Béla, traf ein Raubein und trank sich mit restsüßem Riesling die Beine schwer.

Egon Müllers Rieslinge beginnen dort, wo der deutsche Konsument gewöhnlich abzuwinken beginnt: in der Preisklasse über zwanzig Euro. Keine Schnäppchen, Meisterwerke.

Über seine slowakisch-deutsche Verwandtschaft hat der deutsche Spitzenwinzer nahe der Donau im Gebiet der ungarischen Minderheit der Slowakei eine Produktionsfläche gefunden, das Chateau Béla, ein Weinbaubetrieb in einem perfekt renoviertem Schloss, das zu einem Fünf-Sterne-Hotel umgebaut wurde. Der Redakteur ist also gut untergebracht. Was anderes ist in der Gegend auch heute schwer zu finden.

Müller hat einen eigenwilligen Mann als Vorstand und Winzer verpflichtet, Miroslav Petrech, Önologe und zugleich auch Traubenlieferant. Petrech hat 1968, während der kurzen Zeit des Prager Frühlings, in Österreich gearbeitet, in Krems und in der Wachau. Doch er ist nach der Niederschlagung der Freiheitsbewegung in die Tschechoslowakei zurückgekehrt, die seine Fähigkeiten lange Jahre in einem staatlichen Weingut vergammeln ließ. Nach dem Fall des Kommunismus‘ erwarb Petrech sofort dutzende Hektar Weingarten in Béla, Musla und Umgebung. Die meisten Trauben dieser Anlagen (vor allem Riesling) verkauft er seinem Arbeitgeber Egon Müller. Und macht ihm den Wein. Eine kuriose Symbiose.

Mach Du, ich schau zu!

Müller lässt Petrech so gut wie freie Hand. Und Petrech fertigt selbstredend einen Riesling, wie Müller sich einen Riesling vorstellt. Einen perfekten Wein, wie von der Mosel. Ein Match zwischen Süße und Säure.

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