Macht die Kleinen groß!

VON MANFRED KLIMEK Champagner geht auch in Cocktails. Ich treffe Frank. Er hat mir die besten Champagnercocktails meines Lebens gemixt. Wir reden über Menge, Preis und Möglichkeiten. Und auch über Prosecco.

!Treffen mit Frank. Fett eingetragen im analogen Moleskine-Kalender – immer ein besonderer Abend. Frank schüttelt und rührt in einer Berliner Bar und ist einer meiner Vertrauensleute, wenn es um das Nachtleben im Generellen und Cocktails im Speziellen geht. Frank ist für die besten Champagnercocktails meines Lebens verantwortlich. Und seit ich Frank kenne, kann ich den perfekten Bellini herstellen. Ohne großes Brimborium.

Champagner ist der Wein der Bar. Und zugleich das Stiefkind der Bar. Das gilt vor allem für Deutschland, denn wenn man z.B. in Italien an den Tresen kommt, steht da immer eine große Schale mit verschiedenen Sprudelwässern bereit. National und international. Und Massenproduzent mit Miniwinzer auf gemeinsamen Eis. Selbst in Skandinavien mehrt sich dieses Szenario.

Aber nicht schon wieder kulturpessimistisch herumjammern. Frank ist ja hier und macht mir einen meiner geliebten Bellinis. Wie es Tradition ist, mit dem grandiosen Prosecco von Carpene Malvolti, den sie auch in Harry’s Bar in Venedig verwenden, dem Epizentrum des Bellinibebens – freilich ist er dort immer am besten.

Bellini ist mein Himbeerwasser

Bellini trinke ich wie Himbeerwasser. Das kann ins Geld gehen, muss es aber nicht, denn eine Flasche Carpene Malvolti kostet ungefähr zehn Euro – für den Endverbraucher. Die Gastro wird wohl sieben Euro zahlen, das Weingut bekommt dann vier. Schöne Flasche, teures Etikett. Bleiben also zwei Euro und sechzig Cent für die Herstellung des Weins. Das klingt wenig. Das ist wenig. Trotzdem schreibt Carpene Malvolti schwarze Zahlen. Die Masse macht vieles möglich.

Die Masse? Das sind rund 4 Millionen Flaschen jährlich. Damit wäre Carpene Malvolti in der Champagne ein kleines Weingut. Wieso ist dann Champagner so teuer?

Das liegt unter anderem am dortigen, gut austarierten System zwischen Winzer und Kellereien. In der Champagne gehören nur wenige der vielen tausend Hektar Rebenfläche den Weingütern selbst; mehr oder minder unabhängige Winzer liefern die Trauben, sie haben das Grundprodukt und lassen sich gut bezahlen.

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