Burgund: Ganz in weiß

VON SIGBERT FRITSCH Wer das Weintrinken mit roten Burgundern beginnt, kann gleich vorsorglich Hartz IV beantragen, denn das Zeug reißt einem riesige Löcher in die Brieftasche. Noch dazu kann man große Enttäuschungen erleben. Besser man bleibt beim Weißen aus der Gegend. Der schmeckt geil und ist meist eine sichere Bank.

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Burgund: Das ist eine komplizierte Weinregion. Von älteren Weinkennern hört man oft, dass der Weg des Weinenthusiasten von Bordeaux über Kalifornien und Italien nach Burgund führt, weil dort die anspruchsvollsten Weine der Welt warten. Burgund: Das ist das große Finale im Leben eines Weintrinkers.

Das mag alles richtig und wahr sein, doch braucht es einen erfahrenen Führer durch die Welt der Burgunder, denn gerade bei den Rotweinen der Region kann man ordentlich auf die Schnauze fallen und einen ausducklosen Saft trinken, der einzig und allein ein tiefes Loch in die Brieftasche reißt. Grand Cru, erste Lage: Das sagt leider wenig über die Qualität des Weins aus.

Doch wenn ein roter Burgunder groß ist, dann zählt er zu den besten, wahrscheinlich aber auch zu den teuersten Pinots der Welt. Das kann man billiger haben, sagen viele. Und sie haben recht.

Besser mal mit weiß beginnen

Mag es bei roten Burgundern viele Enttäuschungen geben, so wird man bei weißen Burgundern ab einer gewissen Preisklasse bestens bedient. Eindrucksvollere Weißweine als Meursaults und Montrachets, egal ob Chassagne, Puligny, Bâtard oder die Prestigelage selbst, werden selten gekeltert. Die Franzosen haben zudem eine kaum übertragbare Erfahrung mit dem Einsatz kleiner und mittelgroßer Holzfässer, vor allem mit der Eleganz des Toasting, also der speziellen Röstung der Fässer, die den Chardonnays aus dem Burgund eine oft unglaublich geniale Eleganz gibt. Weine, die süchtig machen.

Die Welt der großen weißen Burgunder ist seit Jahren ein fest abgestecktes Gebiet, das sich Namen wie Coche-Dury, Leflaive, Sauzet, Dujac oder Boillot teilen. Neue Winzer kommen selten hinzu, was schlicht daran liegt, dass man im Burgund kaum Land kaufen oder pachten kann. Jeder Fleck dieses Lagenteppichs kostet ein Vermögen. Wenn ein neues Weingut auffällt, dann meist deswegen, weil die Kinder des Patrons den Betrieb übernommen und verbessert haben.

Schnäppchen? Vergiss es!

So auch der junge Romaric Chavy und seine Domaine Chavy-Chouet, die mir vor zwei Jahren das erste Mal aufgefallen ist. Der Grund: exzellente Weine zu moderaten Preisen. Wohlgemerkt: für die Region moderat. Denn ein Schnäppchen wird man hier zwar nicht finden.

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